Hallo meine Lieben!
Ganz liebe Grüße aus Kiel. Ich habe mich jetzt gerade einmal in der Thor-Bibliothek versteckt um euch ein paar Zeilen zu tippen.
Eigentlich wartet auf mich der Hauptmaschinen-Raum, der weiter feuerschutz-gedämmt werden möchte, aber ich habe mich jetzt mal kurz verabschiedet
Nach einem wahnsinnig intensiven Ausbildungstörn befinden sich die Thor und somit auch ich in der HDW-Werft in Kiel. Da hier U-Boote für die Marine gebaut werden ist unsere Bewegungsfreiheit auf dem Gelände stark eingeschränkt, aber das ist OK. Hier hat es gerade richtig unschönes Wetter, es wird kalt und regnet ständig. Die letzten Tage waren wir höchstens immer zu 20st hier und haben Werftarbeiten verrichtet. Ein Großteil der Segel ist abgeschlagen, am Anker und in der Maschine und auch sonst überall wird gearbeitet. Gestern haben sie mir meine Matratze weggenommen, was zwar jetzt gerade ein wenig blöd ist, aber sie wird neu gemacht und schön bezogen, was dann für die nächsten 6 Monate echt schick ist. Also nehm ich das jetzt mal in Kauf und suche mir halt abends irgendwo im Schiff eine leere Koje bis meine wieder passt. Richtig eingezogen bin ich noch nicht, alles noch im Auto, aber hab ja noch über eine Woche Zeit. Die Schüler kommen Dienstag Abend und dann geht’s rund hier.
Letzte Woche war ja der AB-Törn. Ein wenig (maßlose Untertreibung) überrumpelt war ich schon, als sie mir eröffnet haben, dass ich auf dem AB-Törn eine Wache als Wachführerin leiten soll!!!! Nachdem ich mir fast vor Angst in die Hose gepinkelt habe, habe ich es dann doch irgendwie hinbekommen. Ich hatte einen Supervisor mit in der Wache, also jemand, der mir zur Seite stand und auf alle Fragen eine Antwort wusste. So habe ich eine Woche lang bei strahlendem Sonnenschein und fast keinem Wind jeden Tag einige Male Segel setzen und trimmen (im Wind einstellen) lassen und Segelmanöver (Halsen und Wenden) angeleitet. Zudem Segel gerefft (Segelfläche verkleinert, braucht man für Sturm) und ähnliches gemacht und dabei auch gelernt. Zur Übung sind wir ein POB(Person over Bord)-Manöver gefahren. Dabei war ich zuständig das Rettungsboot aussetzen zu lassen (also die Befehle zu geben), was echt ein wenig tricky ist. Was keiner wusste: ich hab das noch nie gemacht! Das in einem Notfall-Manöver zu tun ist noch anstrengender, aber ich habs hinbekommen. Danach waren alle erstaunt, dass ich das noch nie getan habe! Was hab ich noch gelernt: den Anker richtig auf Kapitänsbefehl fallen zu lassen und ihn zum ablegen wieder zu hieven (einzuholen). Auch sehr spannend, da die Maschine, die man dazu braucht (Ankerspill) uralt ist und sowohl zu starten als auch in der Bedienung ein sehr spannend ist. Am Ende der Woche war ich fix und alle, weil sie wahnsinnig arbeitsintensiv war und ich ca 24Std am Tag Neues gemacht und gelernt hab. Aber es hat einfach riesig viel Spaß gemacht zu arbeiten und das Wissen an Neue weiterzugeben.
So meine Lieben, ich korrigier dann mal noch ein paar Referate, zieh dann wieder meinen Blaumann an und steige hinab in die Maschine (darauf hab ich grad wenig Lust, aber muss sein. Morgen werde ich dann wahrscheinlich die Bulleyes im Sanitärbereich streichen und mal schaun was noch so kommt. Am liebsten würde ich bei den Arbeiten im Rigg (oben in den Masten) helfen, hoffe ich bekomme die Gelegenheit, weil ab Mittwoch darf ich mich dann der Bib widmen.
Ich schicke euch viele Grüße
Kerstin