Montag, 19. Dezember 2011

Grüße von Grenada - Atlaniküberquerung Teil 2

Hallo mal wieder
Diesmal melde ich mich von Grenada, genauer aus St. Georges, hier sind wir seit Freitag Früh.
Aber zurück zur Atlantiküberquerung: Nach unserem kurzen Stopp in Mindelo/ Kap Verden sind wir dann am gleichen Tag wieder ausgelaufen. Ich bin die gesamte Etappe Wache 11-2 Uhr gegangen, was absolut nicht meine Wachzeit ist: da man um 23 Uhr auf Wache muss und der Schlaf von 2 Uhr bis zum Frühstück nicht ausreicht um den Tag gut und halbwegs ausgeschlafen zu überstehen müsste man immer so gegen 20 Uhr ins Bett, naja hab ich nur sehr selten geschafft, meist wurde es 21/ 21.30 Uhr und das ist zu wenig wenn man um 22.30 Uhr geweckt wird. Aber genug davon. Mein Wachführer war Dietmar. Der kam neu zu dieser Etappe, ist über 70 im Ruhestand und weiß alles entweder ganz genau oder es ist ihm einfach egal, wie zum Beispiel so ein seltsames pädagogisches Konzept auf diesem Segelschiff! Ja richtig wir waren durchaus auch mal anderer Meinung. Aber wir haben das dann doch irgendwie ganz gut hinbekommen und uns enragiert. Seine einzige aufgabe war die Navigation und ich musste/ durfte den Rest machen, was dann doch manchmal viel war, aber wir haben uns zunehmend gut verstanden und er hat mir oft von seiner Weltumsegelung erzählt. Unsere Schüler waren super, ich hatte viel Spaß.
Allgemein zu der Etappe kann man sagen: wir hatten viel tollen Segelwind und ich hatte viel Spaß daran, auch der Unterricht hat Spaß gemacht, nur war mal wieder die Ereignisdichte ein wenig viel zu hoch für meine Empfindung, aber so ist KUS eben. Der Arbeitsplatz entschädigt da aber echt für sehr viel! Wir hatten ganz tolle Wolkenformationen am Himmel, und der Blick in die unendliche Weite, die Millionen von Sternen und einfach das Meer, ich kann mir nicht viel Schöneres vorstellen. Wir hatten auch wieder einen Pool auf dem Vordeck in dem ich viel Spaß hatte und einmal waren wir so langsam, dass wir alle mitten auf dem Atlantik ins Wasser springen durften. Das war ein tolles Erlebnis!
Was war noch so? Zuerst war unsere Wasseraufbereitungsanlage kaputt, so dass wir extrem Wasser sparen mussten. Man drufte nur noch mit Salzwasser duschen und hatte – abgesehen von Getränken – nur sehr wenig Süßwasser pro Tag zur Verfügung. Das war schon eine enorme Umstellung, aber das ging auch gut. Trotzdem waren wir alle froh, dass die Anlage repariert werden konnte und wir jetzt wieder Süßwasser herstellen können.
Bei der Atlantiktaufe durfte ich dieses Jahr beim Taufen mithelfen. Ich war die Ärztin, die alle untersuchen und gegen ihre Land-Krankheiten, die staubgeborene Luftatmer so haben, behandeln. Ja ich hatte viel Spaß!!! Einige Bilder müssten auch bald auf der KUS-Homepage landen.
Ja und dann, dann sind wir auch schon in der Karibik angekommen, ich könnte fast sagen gestrandet. Wir wollten wieder vor der Insel Palm Island den Anker werfen,…naja sagen wir so: die Kommunikation zwischen dem Kapitän auf dem Achterdeck (hinten) und uns, die wir ganz vorne am Bug waren war leicht gestört. Um ein Haar wären wir auf die Insel gefahren. Unser Glüverbaum, das was vorne raussteht, war schon mit der Spitze über dem Strand und die Menschen, die abends (es war gegen 21 Uhr schätze ich) noch in Liegen am Strand lagen, sind erschrocken aufgesprungen. In letzter Sekunde konnten wir doch noch die Info nach hinten bekommen und mit voller Maschinenfahrt zurück konnte schlimmeres verhindert werden! Aber mich hat das ganz shcön mitgenommen. Das Anlegebier, das uns Detlef spendiert hat, habe ich fast auf einmal geleert!
Dann kamen die schönen Tage vor herrlicher Traumkulisse – kleinen karibischen Inseln. Da wir im Stamm echt eine tolle Stimmung haben haben wir den einen Abend nach dem karibsichen Buffet mit den Schülern noch kräftig einen drauf gemacht, sind am nächsten Morgen aber auf den höchsten Berg der Insel gestiegen 8war echt hoch und heiß und anstrengend) und hatten eine tolle Aussicht. Auch auf den Tobago Cays (wo Fluch der Karibik gedreht wurde) haben wir einen wahnsinnig schönen Abend am Strand verbracht. Und auch dieser Abend endete mit einer Bergbesteigung. In Flip Flops und dunkler Nacht durch Kakteen-Wälder über Stock und Stein, aber die atemberaubende Aussicht war es wert!
In der Zwischenzeit sind wir wie bereits erwähnt auf Grenada. Morgen steht ein Ausflug zu Wasserfällen, auf eine Muskatnussfarm und in den Norden der Insel an. Ich soll ihn leiten, weil ich kenn mich ja bereits aus… ich bin ja mal gespannt!!! Wird bestimmt richtig schön da! Ich freu mich schon riesig!
Ganz allgemein kann man sagen, dass ich zwar den Winter in Deutschland mit Schnee und Schneeregen aber vor allem gemütlichen Stunden mit euch vermisse. Nein ich mag das was ich tue keine Sekunde missen, aber ich denke schon auch an euch daheim. Insgesamt geht es mir echt richtig gut. Klar ist es manchmal anstrengend, aber ich lerne was das Segeln angeht so viel spannendes Neues, habe ganz tolle Menschen um mich und dazu noch Sonne, Meer und Wind. Was will man da mehr? Mir fällt nix ein!!!!
Ja anders als letztes Jahr ist es in vielerlei Hinsicht: die Menschen sind ganz anders, nicht schlechter oder besser, halt anders. Der Zusammenhalt und die Bereitschaft sich zu helfen innerhalb des stammes ist wesentlich größer als letztes Jahr, die Ziele sind leider Identisch, aber trotzdem sehe ich viel Neues, auf den Bergen z.B. war ich letztes Jahr nicht und das waren ganz tolle Momente. Ich könnte hier noch viel anfügen, aber ich bin hundemüde!
Also meine Lieben: ich wünsche euch ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest um Kreise eurer/ unserer Lieben, einen guten Start für 2012, einen tollen Winter und einfach eine tolle Zeit. Wenn es nicht zu viel Zeit und Mühe in Anspruch nimmt freue ich mich immer über Updates/ Infos von euch.
Ich drück euch tauend Mal unendlich feste
Eure Kerstin

PS: kleine Ergänzung: auf der nächsten Etappe, die Morgen beginnt, wir laufen Morgen Abend aus, werde ich wieder von 2bis5 Wache gehen, wieder mit Knut. Knut ist ein super Wachführer, wir verstehen uns super, nur 2-5 wird heftig...wieder keine Nacht am stück schlafen... :-(

@ Borni und Dani: Liebe Grüße vom Weihnachtsmann, auch er hatte einen tollen Abend, Bild folgt irgendwann. Danke! Ich hab an euch gedacht!