Hallo ihr alle,
nun ist es also vollbracht, ich bin über den Atlantik gesegelt!
Ich möchte euch nun nicht damit langweilen alle Tage einzeln zu beschreiben, deswegen gibt es eine allgemeine Zusammenfassung der circa 3 Wochen oder 26 Tage, wie Desiree gerade berechnet hat (Kolumbus hat übrigens – glaub ich- 42 Tage gebraucht). Genau kann ich es auch grad gar nicht sagen, Zeit ist hier irgendwie relativ! Jedoch wahnsinnig kostbar und immer zu wenig!
Also erst einmal kurz ein paar Worte zum Wind: nach Teneriffa hatten wir anfänglich noch richtig gut Wind, so dass wir uns schon alle gefreut haben, dass wir viel zu früh ankommen werden und leider dann ganz viel am Strand liegen müssen…ja und dann ist etwas unglaubliches passiert: der Nordost- Passat ist eingeschlafen! Das ist unserem Kapitän noch nie passiert! Der Atlantik war spiegelglatt, wie tot! Unglaublich! Hm, so blieb es allerdings nicht! Aber dazu gleich mehr!
Natürlich hat das an den Temperaturen nix geändert: diese wurde unermüdlich wärmer. So dass man es unter Deck, vor allem nachts kaum noch ausgehalten hat. Was noch hinzu kommt: Daniels und meine Kammer hat kein Oberlicht, also nichts, wodurch Luft entweichen oder einströmen könnte! Trotzdem ists schön, dass man einfach den warmen Wind auf der Haut spürt.
Segeltechnisch war die Etappe eigentlich ziemlich entspannt, ab und zu gab es mal eine Halse oder wir haben mal ein Segel geborgen, um es am nächsten Tag wieder zu setzen, aber nichts wirklich Dramatisches.
Ein paar Worte zum Atlantik: es gab ja im Vornherein von vielen die Frage, ob ich nicht denke, dass 3 Wochen nur Wasser einem langweilig werden können! Und ich kann jetzt sogar mit Gewissheit behaupten: nein, niemals! Es gibt nichts schöneres, als aus der Koje zu kriechen, den Niedergang hoch Richtung Klo zu gehen, einen Blick raus zu werfen, und…das Meer zu sehen und nichts außer dem Horizont! Egal ob tagsüber während dem Unterricht oder nachts bei der Wache, ob das Wasser über Deck schwappte oder sich ruhig verhielt, ob man immer den Horizont gesehen hat oder die Wellen teilweise so hoch und lang waren, das man für Sekunden nur noch Wasser gesehen hat, ich habe es jede einzelne Sekunde genossen. Ich finde das Meer hat so etwas beruhigendes, auch wenn es 6000m tief ist! Schön war auch, dass immer wieder mal Schildkröten, Delfinschulen oder Wale vorbeigeschwommen und gesprungen sind! Dann steht das Leben an Bord kurz still und alle hängen über der Rehling und gucken nach den Tieren.
Nachts Wache zu gehen ist übrigens super: von 2 bis 5 die Sterne und Abermillionen von Sternschnuppen zu bewundern, die Ruhe zu genießen und zu wissen, man ist jetzt einfach hier, mitten im Atlantik und die kleine Welt, der eigene Kosmos, die Thor, ist einfach so friedlich und schlummert. Das waren die Stunden, in denen ich die Seele hab baumeln lassen, versucht hab, mir darüber klar zu werden, was ich hier gerade erleben, welches unverschämte Glück ich habe, hier sein zu dürfen! Aber auch um an euch daheim zu denken, was ihr gerade tut, wie es ist, dass langsam Winter wird, was wohl in der Welt passiert,… das waren einfach nur tolle Stunden, auch wenn man hundemüde ist und mir praktisch die Tiefschlafphase fehlte, da ich vor der Wache 2-3Std Schlaf hatte und danach höchstens nochmal so viel. Am schönsten ist dann übrigens im Ausguck zu stehen, d.h. du stehst an der Vorkante des Achterdecks )also da oben mit, wo in den Filmen immer der Kapitän steht) und musst Ausschau halten nach Schiffen, schlafenden Walen oder Treibgut. Meist hat man nichts gesehen, nur den Horizont. In der Zwischenzeit gehe ich auch ganz gerne Ruder, wobei die Thor mich manchmal glaub ich einfach nur ärgern mag, dann bleibt sie einfach nicht auf Kurs und ich muss ständig am Ruder kurbeln. Naja, aber wir sind ja angekommen;-)
Eine Nachtwache scheint mir allerdings doch erwähnenswert. Es ist eigentlich immer schön warm bei uns, nachts so um die 27° C und es hat nie geregnet, bis zu dieser Nacht. Ne stop, schon die Nacht zuvor hatten wir einen kleinen Schauer, aber nix großartiges. Aber in besagter Nachtwache fing es also ein wenig an zu regnen. Und dann regnete es doller und immer doller, wir waren schon alle, trotz Regenjacken nass bis auf die Haut. Egal wohin mal blickte, man sah so gut wie nix, doch dann sahen wir, dass sich vor uns eine schwarze Wand auftat, in die wir geradewegs hinein fuhren. Ja und dann hat es nochmal richtig angefangen zu regnen, man hat die Hand kaum noch vor den Augen gesehen. Ich stand zu der Zeit gerade seit 30 min am Runder (was in der Nacht einfach ging, da wir unter Motor und Segeln liefen). Eigentlich wäre unsere Wache dann zu Ende gewesen, aber die aufziehende Wache hätte es nicht alleine geschafft die Rah-Segel (quer zum Schiffsrumpf) alleine zu bergen, was dringend notwendig war, da der Wind, mit der Unwetterfront, von vorne kam und voll in die Segel blies! Also stand ich dann noch etwas länger am Runder, nämlich bis 6:30 Uhr. Insgesamt somit 2 ½ Std. Ich bin dann schnell ins Bett gekrochen, da ich bereits um 10:00 Uhr Unterricht hatte! Aus gegebenem Anlass hab ich dann in Geo „eine Front zieht durch und lässt unsere Lehrerin nicht schlafen“ gemacht! Ich war fix und fertig! Aber so ist das eben auf einem Segelschiff!
Auch ansonsten ist der Bordalltag sehr anstrengend gewesen, jede Nacht Wache, fast jeden Tag Unterricht, zwar nie mehr als 3 Std, aber trotzdem, dann noch Reinschiff, 2x die Woche Tagebücher korrigieren, Unterricht vorbereiten, Referate hören und bewerten,….
Aber wenn man dann abends an Deck sitzt und bei Sonnenuntergang auf den Horizont guckt und sein Abendessen genießt, dann weiß man, dass eben alles seinen Preis hat!
Der Unterricht lief übrigens richtig gut. Ok, man schafft natürlich nicht ganz alles, was man sich vorgenommen hat, vor allem wenn wegen Wind und Wellen ständig Unterbrechungen sind und man gegen den Wind alles ca 100 Mal schreien muss und auch einige Lektüren nun in ca 6000m tiefe auf dem Grund des Atlantiks ruhen. Es macht einfach auch tierisch Spaß mit diesen Schülern hier zu arbeiten! Nicht nur die Arbeit mit den „Kindern“ macht Spaß, einfach alles, wir sind einfach bereits eine große Familie, auch wenn es manchmal komisch ist, all das was wir täglich tun (Kloputzen, Tanzen, Lachen,…) mit seinen Schülern zu tun!
Und dann tut man eins: man stellt sich zusammen vor, wie man in der Karibik ankommt…wie es sein könnte…
Und dann rückt der Tag immer näher und die Spannung steigt…
Die ersten Vögel erscheinen am Himmel und plötzlich sieht man nachts wieder Lichter und checkt: hej, jetzt ists echt nicht mehr weit!