Hallo meine Lieben!
Ganz viele liebe Grüße aus Mexiko, besser gesagt von der Isla Mujerres. Die Insel ist genau vorgelagert von Cancun, was wir immer am Horizont sehen. Wir sind hier am 01.02. morgens angekommen und befinden uns nun hier in der Werft. Wir, das ist der Segelstamm. Zurzeit sind wir zu 10 an Bord, was ganz schön ruhig und entspannt ist, auch wenn wir eigentlich nur den ganzen Tag arbeiten. Ich habe die letzten 2 Tage einen riesigen Riss im Besantop-Segel genäht, da ich zur Zeit am besten nur sitzen sollte….hab mir wohl den steuerbord kleinen Zeh gebrochen….tut höllisch weh, aber mal der Reihe nach:
Wir sind aus Bocas del Torro – Panama – alle gesund und munter ausgelaufen. Kaum draußen begann ein übles Geschaukel und schwupps war über die Hälfte der Besatzung seekrank. Halt stopp: gesund und munter stimmt gar nicht: ein paar vom Stamm inkl mir hatten einen ziemlich unschönen Magen-Darm-Infekt. Mit Details verschone ich euch, aber es ging mir 24 Std verdammt dreckig. Zum Auslaufen ging es halbwegs wieder, aber so war mir auch ein wenig mulmig-seekrank zu Mute für ca einen Tag. Dann passierte nicht viel Spektakuläres. Wir hatten für die Etappe einen anderen Kapitän, Uli, kannte ich schon vom letzten Jahr. War anders, aber auch sehr schön mit ihm und ein paar neuen Steuerleuten.
Ich dachte mir, ich berichte euch mal von einem ganz bestimmten Tag, der sowas von unglaublich und spektakulär war, dass ich selbst jetzt noch hier sitze und kaum glauben kann, dass das alles wirklich wahr so passiert ist:
Der Tag beginnt am 26.01. um 01:40 Uhr: eine Stimme an meiner Koje: „Kerstin,…Kerstin,…es ist 01:40 Uhr, du hast in 20 min Wache….ach ja und alles Gute zum Geburtstag! Das Wetter ist ganz OK, kein Regen, aber windig, bis gleich!“
Ach krass, ja stimmt ja, Geburtstag! Naja erstmal wach werden, was anziehen, Wache und … naja mal sehen! Ich taste mich über das stockdunkle Schiff vom PK ins Deckshaus, wie jede Nacht vor der Wache. Es schaukelt ordentlich, ich halte mich irgendwo fest, dabei schweift mein Blick automatisch über den Horizont: keine Schiffe zu sehen an backbord. Der Blick wandert nach oben: keine einzige Wolke nur Milliarden von Sternen. Auf die Schnelle finde ich kein mir bekanntes Sternenbild,…naja ich bin auch noch nicht so ganz wach! Im Deckshaus: Klogang, einmal Wasser ins Gesicht, Versuch ein zopfähnliches Gebilde hinzubekommen, ich nehme meinen Klettergurt von meinem Hacken und trotte auf´s Achterdeck. Dort fallen mir bereits 2 Mädels aus meiner Wache um den Hals und gratulieren. Ein Schüler frägt: Und? - Was und? – Na wie fühlst du dich so jetzt ein Jahr älter? – Ziemlich müde… frag mich nachher nochmal OK? Nach der Wachübergabe läuft die Wache ihren normalen Gang: ich geh mal in den Ausguck, hole schwarzen Tee oder Kaffee, gucke Sterne (alle Sternenbilder sind noch da, war die Müdigkeit) und bin total überfordert mit den vielen Sternschnuppen: Was soll man sich da bloß alles wünschen? – Im Ausguck entdecke ich einen Lichtschimmer am Horizont: die Analyse ergibt: Cayman Island direkt voraus. Wenn wir so weiter segeln bumbsen wir am 26.01. so gegen 15 Uhr direkt an. Meine Wache und ich recherchieren über die Cayman´s: ein Abstecher würde sich unserer Meinung nach auf jeden Fall lohnen, wir finden gut und gerne 10 Gründe, denen niemand wiedersprechen kann… unserer Meinung nach! Die Wache endet für mich am Ruder, zum Ende steht plötzlich ein Rudel um mich: meine Wache und die nächste und singt morgens um 5 Uhr „Viel Glück und viel Segen…“ im Kanon…oder etwas Ähnlichem.
Vor dem Einschlafen lese ich meine ersten 2 Geburtstagsbriefe: von den Omis (herzlichen Dank!) Und schlafe ein.
09:15 Uhr: Paolo, ein Schüler sitzt auf der Kante meiner Koje: Kerstin, happy birthday!!! Es ist 9:15 Uhr, du wolltest geweckt werden…und übrigens es gibt zum Frühstück Pan Cakes (Pfannkuchen)!!! – WAS???? PAN CAKES????? – Ja, weil du doch heute Geburtstag hast! - …Ich stehe sofort auf, was bei mir ja nicht so häufig passiert, zieh mir schnell irgendwas an, was rumliegt und geh zum Frühstück und wirklich wahr: es gibt für jeden 2 Pan Cakes…außer für mich: ich bekomme von der Backschaft Pan-Cake-All-I-Can-Eat….nach einem riesigen Müsli und 3 Pan Cakes muss ich mich allerdings geschlagen geben. Der Geschichtsunterricht endet früher und ich bekomme ein weiteres Geb-Ständchen…voll süß!!!! Anschließend ein Blick auf die elektronische Seekarte: Der Kurs ist unverändert Richtung Cayman´s, aber der Kapitän erklärt, der Kurs sei nur so wegen der Windrichtung und wir wären zu langsam als dass sich anhalten lohnen würde, aber ihm ist das egal, er würde auch anlegen. Ich geh erst einmal Geschenke auspacken und Briefe lesen. (Danke meine Lieben, die CD läuft ständig und wir haben das Kochbuch auch schon genutzt, hab mich sehr über die Briefe gefreut). Anschließend bereite ich meinen Geo-Test für den nächsten Tag vor und schon gibt es Mittagessen: Tomaten-Mozzarella-Salat…ich kann´s kaum glauben, abends soll es Lasagne geben und es ist wohl auch ein Geb.-Kuchen im Ofen….unglaublich!!!! Nach dem Mittagessen ist es schon fast soweit: ich hab Wache. In der Zwischenzeit munkelt das ganze Schiff, was wohl mit den Cayman´s ist, ob wir wohl anhalten? Keiner weiß nix genaues…wie immer halt. Wache verläuft erst ziemlich ruhig, ich versuche noch Daniel, unserem Projektleiter mit dem ich ja letztes Jahr eine Kammer geteilt hab, davon zu überzeugen, dass wir aus soooo vielen Gründen auf die Cayman´s müssen, er ist nicht zu überzeugen! Nicht mal die Drohung ich würde ihm sein Geb.-Geschenk vom letzten Jahr wegnehmen zeigt Wirkung. Ich finde mich damit ab, dass wir nur sehr nah dran vorbei fahren werden. Dann gibt es Kaffee und Kuchen. Erst bekomm ich ein Ständchen – diesmal – von der gesamten Besatzung – voll schön!!!! – und ….kaum zu glauben…Donauwelle. Ich sag: jetzt sollte der Tag enden, weil besser kann er nicht mehr werden! Vom Projekt bekomm ich ein T-Shirt mit der Thor drauf und vom Stamm eine voll schöne Mütze! Anschließend: Lehrerkonferenz während wir uns weiterhin den Cayman´s nähern, wir werden wohl ganz nah vorbei fahren zum Gucken von Bord aus. In der Lehrerkonferenz wird entschieden, dass ich dieses Jahr auf Kuba nach Matanzas fahren darf…freu mich schon! Zurück auf dem Achterdeck schnapp ich mir ein Fernglas…mag auch Kreuzfahrtschiffe und Hafenmole angucken. „Hei Leute, ich glaub da kommt ein Schiff auf uns zu!“ – Kerstin, jetzt reicht´s dann langsam doch, hör auf mit dem Blödsinn! – Hm, das ist kein Blödsinn, da kommt ein Schiff! – und ja, ich behalte Recht: ein kl. Schiff, dass normal Touristen vom Kreuzfahrer an Land bringt, kommt Längsseite neben das Achterdeck und einer schreit rüber: wir sollen jetzt SOFORT in der Hafen kommen, was uns einfällt auf keine Funksprüche zu reagieren, wir wären im Gewässer des Staates Cayman Island und hätten darauf zu hören, was sie sagen! Jetzt kommt Action auf! Unser Kapitän: Schoner und Groß ganz ausbaumen, Rahn 4kant brassen, wir segeln weiter und weg von der Insel. Da ich noch Wache hab, ziehen Knut und ich mit unseren Kindern los. Brassen 4kant, baumen Schoner aus und sind gerade dabei uns ans Groß zu machen, da ertönt „Signal K“ (sofort alle auf dem Hauptdeck sammeln). In der Zwischenzeit wird versucht über Funk zu klären, was los ist, weil uns bereits 2 Boote umrunden- auf dem einen steht Polizei – die Sache wird langsam spannend! Und plötzlich taucht zudem ein Polizeihubschrauber auf und stellt sich knapp über unsere Masten, es ist irre laut. Befehl: alle Segel bergen (was heute ziemlich viele sind), Maschine an, wir müssen einlaufen. Innerhalb von Minuten birgt unsere Besatzung alle Segel und wir fahren unter Begleitung von zwischenzeitlich 3 oder 4 Booten (Hafenbehörde, Polizei, …) und Hubschrauber in den Hafen von George Town – der Hauptstadt der Cayman´s. Nebenbei müssen wir in Windeseile alle Kammern und das Schiff aufklaren und uns ordentlich, d.h. weiße KUS-Polos, anziehen, zudem müssen alle Segel gepackt werden und die Leinen zum Anlegen klargelegt werden. Und schon gehen die Leinen an die Pier und… wir sind auf den Cayman´s!!!! Egal wem ich begegne, ich hör von allen die gleichen Kommentare: so da hast du deine Cayman´s….was für ein Geburtstag/ Geburtstagsgeschenk…wow!!!...hast du dir das so vorgestellt?...den Hubscharuber hättest du ja nicht unbedingt bestellen müssen…wann hast du den Funkspruch abgesetzt?...oder Ähnliches.
Kapitän, Steuerleute und Projektleitung müssen an Land, es wird diskutiert, zu Beginn wild und heftig, doch dann zunehmend entspannter. Wir machen bereits Pläne: morgen früh zuerst ins Hard Rock Cafe, ein T-Shirt kaufen, dann auf die Bank ein $ einzahlen und ein Konto auf den Cayman´s eröffnen und anschließend: tauchen gehen. Im Hintergrund duftet die Lasagne. Kurze Zeit später kommt Uli wieder an Bord, wir dürfen eigentlich nicht an Land, weil wir nicht einklarieren (einreisen, Zollkontrolle, etc) aber die Herren von der Behörde würden sich kurz umdrehen und wir dürften alle einmal an Land springen. Und dann? Naja, alle Leinen los, wir legen ab und segeln weiter Richtung Kuba!
Also springen wir alle an Land, werfen alle Leinen los, legen ab, setzen wieder nahezu alle Segel und segeln weiter und dann…nachdem ich das Bramfall geholt habe…dann endlich gibt es Lasagne!
Was war eigentlich los? Wir waren zu nah an der Insel vorbei gesegelt und deswegen hätten wir uns anmelden müssen und einklarieren und und und… aber es ging nochmal alles ziemlich gut, keine Strafe, nur eine Verwarnung.
Da es bereits ziemlich spät ist, kurz nach 21 Uhr entscheiden Daniel und ich den Geotest um einen Tag zu verschieben. Ich quatsche noch mit ein paar Schülern und Leuten vom Stamm – wir können alle nicht fassen was seit halb 5 alles passiert ist - und falle dann um kurz nach 22 Uhr in mein Bett…um 1:40 Uhr wird die Nacht wieder zu Ende sein. Schlafen kann ich noch nicht, ich liege in meiner Koje und muss immerzu den Kopfschütteln! Unglaublich!!!!
Wer mich ein wenig länger schon kennt, der weiß, dass am 26.01. schon so manches passiert ist (Physik-LK-Klausuren, Zunge am Ampelmast, Cocktailspieß im Trommelfell, Examensklausuren, Lehrprobe, eine gewisse Überraschungsparty,…), aber ein Blitzbesuch auf den Cayman´s…. oh man, unglaublich!!!!!
Danach sind wir halt nach Kuba gesegelt, wo wir die Schüler abgeladen haben, ich bin mit meinem steuerbord kleinen Zeh an einer Ecke hängengeblieben, er ist übelst dick und blau-lila-grün, tut weh, wird aber besser, wir sind nach Mexiko gesegelt, liegen hier in der Werft, ich hab noch nix von der Insel gesehen. Morgen ist ein Ausflug auf eine andere Insel geplant und am Montag nach Chichen Itza (oder so) – riesige Maya-Tempel-Anlage. Am Dienstag, 07.02. fliege ich zusammen mit Kristina nach Havanna, am 08.02. geht´s für 4 oder 5 Tage (hab ich vergessen) nach Matanzas auf Kleingruppenexkursion mit 6 Schülern, anschließend haben wir noch 4 Tage frei, am 18.02. kommt die Thor nach Havanna, am 19.02. laufen wir aus…und dann geht es schon in den Nordatlantik, in die Kälte,…zurück Richtung Heimat. Unglaublich wie die Zeit vergeht!!!
So meine Lieben, für heute ist erstmal Schluss, ich muss noch ein wenig arbeiten und dann heute Nachmittag mal bisl rumlaufen, Internet suchen und ganz wichtig: SHOPPEN
Drück euch ganz doll feste
Eure Kerstin