Mittwoch, 29. Februar 2012

Und schwupps auf Bermuda!!!

Hallo meine Lieben!
Viele liebe Grüße von der wunderschönen Insel Bermudas. Also ich finde ja nach wie vor, dass die Bezeichnung Puppeninsel sowas von passend ist, aber das nur am Rande!
Wir sind gestern Nacht (von Montag auf Dienstag) um halb 1 hier in St. George´s an die Pier gegangen (2 1 vorn und achtern, falls ihr es genau wissen wollt, ich war mit an der Achterspring, war aber kein so spannendes Anlegemanöver weil praktisch kein Wind, also lief alles problemlos). Von Kuba hierher sind wir praktisch geflogen, wir hatten guten Segelwind, die Thor ist über die Wogen geflogen… naja nicht immer, wir hatten teilweise auch wieder ziemlichen Seegang, hohe Dünung, aber ich fand´s gar nicht schlimm. Blöd fand ich allerdings, dass wir es tagelang mit Nordwind zu tun hatten, direkt aus der Arktis… schön kalt… also unter 20 Grad! Ich hab diese Etappe endlich mal keine Wachzeit, für die ich mitten in der Nacht raus muss, gehe von 5 bis 8 Wache. Das ist, wie ich finde, eine hammertolle Wache: Man kann die ganze Nacht an einem Stück bis halb 5 schlafen, man kommt an Deck, unendlich viele Sterne begrüßen einen, man bemerkt wie es langsam zu dämmern beginnt und dann ganz allmählich verfärbt sich der Himmel rot-orange-gelb-lila-rosa-… und die Sonne geht auf! Oft hinter Wolken aber egal. Zudem gibt es ab halb 7 frischen Kaffee. Alles in allem sehr toll! Und abends: man kommt auf Wache, die letzten Sonnenstrahlen kitzeln die Nase, es wird kälter (nicht so toll) und dann geht hinter uns die Sonne unter, alles verfärbt sich goldgelb, es wird dunkel….stockdunkel, aber dann ist die Wache eigentlich schon vorbei. Wenn ich es jetzt noch schaffe mal nicht zu verschlafen morgens, dann wäre das zwar noch besser, aber alles auf einmal geht eben nicht!!!
4 Tage vor Bermudas hat die 2. Schiffsübergabe stattgefunden: wir haben das Schiff wieder in Schülerhand übergeben und die elektronischen Navigationsgeräte abgestellt. Nur mit Hilfe der Sonne und der Sterne und sehr alten Methoden der Geschwindigkeitsmessung haben unsere Schüler navigiert. Als wir die Geräte wieder eingeschaltet haben, hat sich herausgestellt, dass die Schüler verdammt gut navigiert haben: laut ihren Berechnungen waren wir nur 1,2 Seemeilen neben unserer eigentlichen Position. Das war eine hammer Leistung!
Meine Wache besteht im Moment aus 6 Mädels und 2 Jungs, ziemlicher Weiberhaufen, den muss ich jetzt mal ein wenig einnorden. Ich mein das nicht böse, aber jetzt (am kommenden Mittwoch 08.03. circa) geht es auf den Nordatlantik und da kann ich keinen gaggernden Weiberhaufen auf Wache gebrauchen, da brauch ich Seefahrer, die anpacken und wissen wie man segelt und das Schiff funktioniert, aber ich mach mir da keinen großen Sorgen. Wenn man ihnen das sagt, dann dürfte das kein Problem sein! Die wissen hier in der Zwischenzeit alle, dass wir hier keinen Urlaub auf dem Ponyhof machen!!! Allerdings haben alle anderen mir gegenüber einen Vorteil: sie waren noch nie auf dem Nordatlantik, sie wissen nicht, was auf sie zu kommt, wie viel an Detlefs Geschichten wahr ist, aber trotzdem freu ich mich auf die Herausforderung!
Jetzt sind wir erst einmal eine Woche auf Bermuda und bereiten das Schiff vor und ich habe ein wenig Unterricht, schulische Arbeit zu erledigen und Freizeit.

Ich möchte euch aber nicht einen kurzen Bericht über meine Zeit auf Kuba vorenthalten:
Also die Anreise alleine könnte schon Seiten füllen, aber nur kurz: beim Packen, kurz bevor Kristina und ich los mussten habe ich bemerkt, dass unser Flug verschoben worden war und wir erst einen Tag später geflogen sind! Am Flughafen von Cancun am nächsten Tag dann gabs dann zudem Probleme ohne Ende, nichts schlimmes, aber nervenaufreibend v.a. wenn man so gut wie kein Spanisch spricht, der Flieger Verspätung hat, Kristina aber einen ganz bestimmten Bus schon ein paar Std später am anderen Ende von Havanna erwischen muss und man versucht durch kubanische Behörden zu kommen und dem Taxifahrer den Weg erklären muss, aber ging alles gut. Fix und alle war ich dann einen Abend bzw eine Nacht in Havanna, in der Alex (Kollege, Englischlehrer, der bis dahin mit den Schülern gereist ist) und ich uns einmal durch sämtliche Biersorten Kubas getrunken haben (die für die Touris und die für die Einheimischen, spannend!!!) und gelernt haben das in einer Kneipe für Einheimische die Cola im Cuba Libre nur dazu da ist, dass man nicht durchschauen kann. Zudem wurden wir noch beim Bezahlen verarscht, was in Kuba an der Tageordnung ist, wenn man als Touri in Nicht-Touriläden geht, die Preise für die Kubaner kennt und dann das doppelte zahlt (was zwar immer noch wenig ist 2 € für einen Cuba Libre 0,5 € für ein Bier, aber trotzdem!)
Am nächsten Morgen (mit zu wenig Schlaf) gings auf Kleingruppenexkursion: Ich durfte mit 6 Schülern (3 Mädels, 3 Jungs, eine Gruppe, in der sonst niemand was mit dem anderen zu tun hat, sehr spannend also) erst für eine Nacht nach Santa Clara und dann nach Matanzas!!!!!
Santa Clara ist die Che- Stadt in Kuba schlecht hin: dort hat er gewirkt, dort liegt er begraben…oh großer geliebter Che….blabla. War nett und spannend der kurze Aufenthalt. Wir haben bei unglaublich heißen Temperaturen sehr viel gesehen.
Weiter gings nach Matanzas: über diese Stadt steht in den Reiseführern:… wenn sie denken sie hätten von Kuba alles gesehen und nicht mehr wissen wo sie hin sollen, dann können sie auch noch nach Matanzas gehen, aber dort gibt es nichts zu sehen…. Kulinarisches Ödland….Shoppen in Matanzas ist wie die Suche nach einem Brunnen in der Sahara….Matanzas heißt übersetzt: schlachten, und so riecht die Stadt….usw Also das wahre Kuba, ich hab mich ganz ernst richtig gefreut: eine Gruppe, die vorn und hinten nicht zusammen passt in einer Stadt, in der nichts passt….das kann ja nur überragend werden! Und so war es: wir hatten sehr viel Spaß, haben erstaunlich viel gesehen uns vom kubanischen Alltag tragen lassen, viel unternommen, ich hab wunderschöne Ballerinas aus Echtleder geshoppt, wir waren lecker essen,… Problamtisch hat sich nur die Gestaltung des Abendprogramms erwiesen: tolles Theater, wg Renovierung geschlossen, Cabaret und Varieté wg Nebensaison geschlossen oder viel zu teuer und weit weg…was macht man also? Man zieht sich hübsch an, für was auch immer, legt seinen Hello-Kitty-Glitzer-Lipgloss auf, steigt in ein Taxi und sagt: wir wollen einen tollen Abend, mit Musik und Tanz und schaut was passiert. Und siehe da: es klappt!
Auch die Rückfahrt nach Havanna war sehr spannend: die Schüler (die sich übrigens sehr gut verstanden haben) wollten mit einer uralten Elektroeisenbahn nach Havanna fahren. Abfahrtszeiten laut „Fahrplan“ 5:16 Uhr 11:30 Uhr. Laut alten Mann auf der Bank im verlassenen Bahnhof fährt der Zug so 3 bis 4 Std + Stopps. Wir müssen dann noch quer durch Havanna und müssen um 16Uhr im Hotel sein….der Zug hat grundsätzlich Verspätung….also….na klar wir nehmen den um 5:16 Uhr (diese Abfahrtszeit werde ich in meinem Leben nie wieder vergessen, das könnt ihr mir glauben!) Zum Bahnhof mussten wir laufen, ein Taxi vorzubestellen hat sich als etwas schwer herausgestellt: „wann? Um halb 5? In der Früh? Klar kann ich euch da fahren, da müsst ihr nur in das eine Pub an der Ecke da kommen, da bin ich meistens um diese Zeit!“ OK wir laufen! Mitten in der Nacht gings los: 7 Gestörte mit Rucksäcken durch das schlafende Matanzas, das leider nicht überall Straßenlaternen hat, aber hei KUSis haben immer ihre Stirnlampen dabei….das muss ein Bild gewesen sein….der Bahnhof war noch verschlossen, der Zug aber wenigstens schon mal da! Irgendwann öffnete der Bahnhof, der Versuch Tickets zu kaufen misslang, es war niemand da der Tickets verkauft! Andere eintrudelnde Passagiere erklärten uns: steigt einfach ein, Karten könnt ihr im Zug kaufen. Im Zug war es nahezu stockdunkel, die meisten Türen hatten keine Fensterscheiben mehr, die Sitze waren saumäßig unbequem, die Fenster kaputt, also bis zur Hälfte auf, somit war es auch nicht so warm. Irgendwann haben sie mit dem Versuch die Maschine der 2 Wagons (jeweils mit Fahrerkabine vorne) zu starten begonnen, was ca 20 min nach geplanter Abfahrtszeit funktionierte. Ein Schaffner ging durch und schloß !per Hand! die Türen der Wagons, kassierte, wir bekamen Tickets und es ging los. Wir ratterten über Stock und Stein – so fühlte es sich zumindest an – sehen tat man ja nichts, hin und wieder durchzuckten grüne Blitze von den Hochspannungsleitungen die Dunkelheit und zeigten ein wenig der Umgebung. Es war verdammt kalt im Zug und zog ohne Ende. Jeder von uns wickelte sich in irgendwas warmes (Decken, Schlafsack, mehrere Pullis, ich hatte nicht viel dabei) und versuchte noch ein wenig zu schlafen. Langsam wurde es heller, wir rauschten vorbei an Palmen und Dörfern, immer wieder hielten wir, es stiegen ein paar Menschen ein und ein paar Dörfer weiter wieder aus. Ab und zu trug der Wind den Geruch der Morgenzigaretten oder –Zigarren der Passagiere durch den Zug…die Reise war spannend. Nebenbei überfuhren wir eine Kuh, die nicht von den Gleisen wollte (ein Schüler war vorne sich mit dem Lokomotivführer unterhalten als es passierte), wenig später hielten wir auf offener Strecke, der Schaffner stieg aus, ein Krach unterm Zug, er stieg mit ein paar verbogenen dicken Eisenstangen wieder ein und meinte, die waren grad irgendwie in die Räder gekommen…..na wenn es weiter nichts ist!!!! In Havanna angekommen erfuhren wir, dass wir mit der Fähre durch die Bucht müssen, was sich im ersten Moment toll anhörte, Problem nur: vor einiger Zeit wurde eine Fähre entführt und die Entführer haben versucht mit ihr aus Kuba zu fliehen, seitdem wird jeder Passagier komplett kontrolliert…auch wir mit unserem riesen Gepäck. Ein Schüler musste seine „Bastelschere“ abgeben (Waffe) und eine Schülerin 2 Gläser Honig (Glas = schwerer Wurfkörper). Ich erklärte, dass das meine Schüler sind und wir nicht fliehen wollen, die Schere sei wichtig für meinen Unterricht und der Honig für den Opa zu Hause, der Kuba ganz toll findet! Der Kapitän der Fähre schmuggelte die Schere in seiner Jackentasche für uns mit ans andere Ufer, der Honig musste bleiben! Kuba ist doch ein spannendes Land!
Anschließend habe ich noch 4 Tage mit Kristina und Stefan (Lehrerkollegen) in Havanna verbracht, ein bisschen geshoppt, ein bisschen die Zeit genossen, rum gelaufen, (Rum gekauft, Rum genossen), abends ein wenig gefeiert und am Malecon (Uferpromenade) gesessen, was sehr schön war!

Mir fällt grad auf, dass ich von meinem Mexiko-Aufenthalt auch noch gar nichts geschrieben habe, aber ich denke das reicht erstmal an Berichten, nur so viel: die beiden Ausflüge waren einfach nur toll, ich werde euch bei Gelegenheit ein paar Bilder hochladen denke ich. Hier auf Bermuda kann ich evtl fast jeden Tag mal kurz oder lang ins Internet. Aber jetzt muss ich mal noch kurz die anderen besuchen gehen, die sitzen um die Ecke auf einem netten kleinen Platz und quatschen noch. Morgen früh ist um 6 Uhr die Nacht zu Ende: ich will joggen gehen, war ich heute schon, war voll schön.
Drück euch feste bis die Tage
Eure
Kerstin