Donnerstag, 31. März 2011

Ein Sturm und ein Einparkmanöver später: Azoren

Hallo meine Lieben,

ganz liebe Grüße von den Azoren.
Wir sind hier jetzt seit fast einer Woche, aber irgendwie hab ich es noch nicht vorher geschafft den Bericht online zu stellen. Im moment ist echt viel zu tun, ich sag nur eins: ZEUGNISSE!!!!!
Deswegen kann es sein, dass der Bericht ein wenig hm wie soll ich sagen?...???konfus sein mag, aber wie schriebt man so schön in einem Zeugnis: sie bemühte sie sehr!!!
Aber von vorne:
Wir sind Freitagabend, 25.03.2011, nach genau 14 Tagen auf dem Nordatlantik hier auf den Azoren eingelaufen…und zwar wie!!
Aber der Reihe nach:
Wir liefen aus den Bermudas ja 2 Tage später aus, weil wir sonst direkt in eine Front gefahren wären und die ersten paar Tage nur gegen den Wind anfahren hätten müssen. Das Meer hatte sich aber schon mächtig aufgeschaukelt und kaum, dass wir aus dem Hafenbecken raus kamen, schaukelte es gigantisch! Ein Großteil der Crew war ziemlich bald wieder seekrank. Ich konnte mich noch zusammen reißen, aber mir gings auch nicht berauschend! Irgendwann wars dann auch um mich geschehen und gepaart mit üblen Kopfschmerzen musste ich zum ersten Mal seit England Fische füttern. Doch trotz alle dem wussten wir: das ist noch lange nicht alles, was der Nordatlantik zu bieten haben kann!
Die erste Woche ging dann ziemlich „ereignislos“ vorüber. Ich hatte insgesamt nur noch n paar wenige Stunden Geounterricht zu halten, die verdammt viel Spaß gemacht haben, der Wind war eingeschlafen, somit ging es allen gut, nur unser Kapitän war ein bisschen verstimmt mit Neptun, weil er uns so gar keinen Wind geschickte! So verbrachten wir eine ziemlich entspannte Woche zwar mit nach wie vor viel Geschaukel, aber ertragbar. Wache gehen hat auch richtig viel Spaß gemacht.
Dann kam der Sonntag, an dem ich Backschaft hatte. Wie haben sowohl zum Frühstück, als auch zum Mittagessen richtig lecker gekocht, auch wenn es schon eine Herausforderung ist 50 Steaks auf die Minute zu braten, nebenbei Kartoffeln, Sauerkraut und Zaziki in der gleichen Menge fertigzubekommen. Aber wir waren echt gut! Und dann kam der Kuchen: erst ging der Hefeteig nicht, dann hatten wir ihn auf dem Blech und mal 20 min zum Durchatmen, aber dann kam die große Katastrophe: da das Schiff immer leicht auf der Backboardseite lag, also schief, machte sich unser Blechkuchen im Ofen selbstständig und suchte sich seinen Weg runter vom Blech, rein in die Blechhalterung des Ofens: wir kratzen ihn also wieder raus,…das Aussehen war jetzt schon sehr spannend. Aber wir sagten unserer Besatzung einfach, dass der Kuchen Windstärke 7 (weil er eine sehr ungleichmäßige Oberfläche hatte!!!) heiße und alle liebten ihn.
Als ich an diesem Abend in meine Koje schlüpfte hatte der Wind bereits erheblich aufgefrischt und wir schossen ganz schön dahin!
Und dann kam sie: die Front, die sich schon im Wetterbericht angekündigt hatte. Jedoch dauerte das ganze Spektakel insgesamt ca 3 Tage! Der Seegang nahm zu, was heißt. Ich flog nachts in meiner Koje hoch und runter, Kopfstand am Kopfende und stehend am Fußende abwechselnd „lag“ ich in meiner Koje, an wirklich tiefen Schlaf war nicht wirklich zu denken, aber wenigstens flog ich nicht, wie manch andere, aus dem Bett! Der Wind nahm also von Sonntagabend an stetig zu, der Regen irgendwie auch, die Wellen stiegen nun so regelmäßig über Deck, dass wir alle Luftlucken, alles schließen mussten, es war ein wenig wie in einem U-Boot und der Geruch wurde nicht wirklich besser. Jeder der von Wache kam bracht zudem mit seinem nassen Ölzeug Feuchtigkeit ins Schiff, die Gerüche im Sanitärbereich erinnerten mich stark an das Tigerhaus im Nürnberger Tiergarten! Zudem flog man einfach nur noch durch die Gegend, die Frühstückstische räumten sich regelmäßig von selbst und verteilten sich in der ganzen Messe, in der aber nach wie vor Unterricht stattfand. Auf Wache durften nur noch wir Erwachsene die Sicherheitsrunden über Deck gehen, wenn man im Ausguck stand, musste man sich mit seinem Klettergurt festhängen.
So ging das bis Dienstagabend, dann war klar: heute Nacht wird’s ernst, die Front, die von hinten kommt wird uns überrollen, wir hatten bereits über 8 Windstärken und zunehmende Böen. Morgens um 6 gab es dann ein Signal: alle, die das hören mussten sofort an Deck kommen und helfen. Da ich eh keinen tiefen Schlaf hatte war ich sofort wach, in meinem Ölzeug und an Deck und hab geholfen. Es war richtig anstrengend, 2 Segel waren komplett durchgerissen und mussten schnell geborgen werden, nebenbei sind wir ne Halse gefahren: also 4 Std Action pur!
2 Tage später sind wir dann in Horta auf den Azoren eingelaufen und haben ein wahnsinnig knappes Anlegemanöver hingelegt: Rückwärts einparken mit einem 50 m langen Segelschiff wenn 2 richtig wertvolle andere Segelschiffe „im Weg“ parken ist echt eine Herausforderung: es war zwar sauknapp, aber wir haben es geschafft, ohne etwas anzurammen! Aber da hat echt die ganze Besatzung die Luft angehalten!
Hier auf den Azoren ist es echt verdammt schön! Alles wahnsinnig grün, der Frühling kommt langsam und die Inseln sind echt richtig schön! Am Montag haben Desiree und ich uns ein Auto gemietet und die Insel umrundet, das war echt schön! Dann am Dienstag war ich mit den Schüler beim Whale-Watching. Leider haben wir keine Wale gesehen, dafür aber viele tolle Delfine ganz nah und auch sonst war es ein toller Tag!
Gestern waren wir an einer Stelle auf der Insel, die am jüngsten ist. sie erst vor 50 Jahren durch einen Vulkanausbruch enstanden. Siehta us, wie auf dem Mond, war ein sehr spannender und beeindruckender Ausflug!
Heute waren Schiffsarbeiten auf der Tagesordnung. D.h. unter anderem: Schiff anmalen. Sehr toll, dass ich es nach 5 Monaten immer noch schaff in die frisch gestrichenen Stellen zu langen. Schiffsfarbe hält sich hartnäckig bis zu 3 Wochen auf der Haut, egal wieviel man wäscht! Naja hab ich halt ne schwarze Handfläche!!!

Bilder schick ich euch jetzt erstmal keine mehr, ich bin ja bald da und da zeig ich euch dann alles, also denen, die des gerne hätten!

So meine lieben: es ist ziemlich kalt und da wir morgen Nachmittag ablegen werde ich jetzt noch ein Ablegerbier trinken gehen, bevor dann morgen früh wieder die Zeugnisse auf mich warten.
Bis bald
ich freu mich schon auf euch

Kerstin