Hallo Ihr Lieben,
ja gestern (Montag) abends um 22 Uhr war es soweit: ich bin wieder nach über 6 Monaten in Schwanstetten die Sperbersloher Str. hinter gefahren und jetzt, jetzt bin ich wieder da...naja mehr oder weniger!
Auspacken und Ankommen wird noch ein bisschen dauern. Heute Nacht bin ich aufgewacht und dachte ich hätte den Wachbeginn verschlafen, hab ich aber nicht! Kein allnächtliches Aufstehen mehr, auch muss ich hier nie die Temperatur des Kühl- und Gefrierschranks überprüfen, kann Sachen ohne Rutschdeckchen auf den Tisch stelllen...
Aber von solchen Dingen abgesehen geht es mir echt gut, bin nicht landkrank oder so!
Vom Anlegen in Kiel berichte ich mal in den nächsten Tagen und auch Bilder bekommt ihr dann nochmal, aber erst einmal muss ich auspacken und ähnliches.
Bis dann
Kerstin
P.S.: Ich habe heute zum ersten Mal seit 6 Monaten gerade eben in Ruhe meinen e-Mail-Posteingang durchschauen können und dabei festgestellt, dass es mir anscheinend nie alle Mails angezeigt hat. Sehr seltsam, aber kann man nix machen. Auf jeden Fall danke ich allen, die mir Gebnurtstags-Mail geschrieben haben recht herzlich ich habe sie soeben alle gelesen und mich tierisch gefreut.
DANKE!!!!
Dienstag, 26. April 2011
Dienstag, 12. April 2011
Und so schließt sich langsam der Kreis!
Moin Ihr Lieben,
ganz liebe Grüße aus England, genauer aus Falmouth.
Falmouth? Das könnte euch bekannt vorkommen. Nicht weil es hier irgendetwas „Besonderes“ gibt oder so (zumindest nichts, was man kennen müsste), nein vielleicht eher, weil mein erster Bericht ebenfalls von hier stammte!
Ja wir sind praktisch seit gestern Mittag zum ersten Mal „wieder zurück“! Seltsam durch die Straßen einer Kleinstadt/ eines Dorfes zu gehen und genau zu wissen, wo der Geldautomat, der Supermarkt und ganz wichtig, die beste Kneipe der Stadt zu finden sind…nicht zu vergessen: die „Shoppingmeile“!
Aber irgendwie ist es auch schön, bekannten Boden unter den Füßen zu haben! Aber was im Moment das dominierende Gefühl ist: es geht jetzt wirklich zu Ende! Man kann seit gestern mehr denn je spüren, dass Kiel nur noch einen Wimpernschlag entfernt ist! Und das fühlt sich ganz ehrlich sehr komisch an. Das katapultiert einen mittenrein in ein riesiges Gefühlschaos, aus dem man nicht mehr so leicht raus kommt. Es hat schon begonnen, dass ich mir in Situationen denke: „Das war es jetzt wahrscheinlich/ vielleicht zum letzten Mal!“ Zum Beispiel die kleinen Schweins- und Grindwale, die wir am Donnerstag gesehen haben, waren vielleicht die letzten Meeressäuger unserer Reise. Und wir hatten, wenn man so zurück blickt, wirklich häufig Delfine um den Bug, oder in der Nähe des Schiffes, auch Wale wurden hin und wieder gesichtet.
Beim Duschen stellt man fest: hei, das Duschgel reicht wohl doch bis Ende der Reise! Beim Aufräumen ist man nicht mehr so gründlich, man zieht ja eh bald aus! Es ist irgendwie auch egal, was es zum Essen gibt, bald kocht man sich eh wieder, auf was man selber Lust hat und nicht, was gerade schon fast am vergammeln ist in der Kühllast. Man wird auch nicht mehr so häufig für 50 Personen kochen müssen/ dürfen. Doch es ist viel mehr als das: es sind die letzten Tage mit den Menschen, die mit mir in den letzten 5 ½ Monaten zu jeder ungemütlichen Zeit aufgestanden und zur Wache gegangen sind, mit denen ich abends Karten gespielt oder einfach nur gequatscht hat. Die letzten Male, die ich mit meinen Schülern abends zu 10 in ein minikleines Bad gequetscht stehe und Zahnputzparty mache…. Kurz, die mir wahnsinnig ans Herz gewachsen sind!
Ich könnte unendlich so weiter schreiben!
Aber zugleich denke ich an die letzten 6 Monate zurück: wir sind jetzt 2 Mal über den ganzen riesig großen Atlantik gefahren, über 13000 Seemeilen werden wir in Kiel alle auf dem Buckel haben! Das ist schon ordentlich viel Wasser gewesen! Es gibt so viele unvergessliche kleine Momente, „kleine Freunden des Alltags“ haben wir sie an Bord getauft. Einfach Erinnerungen, die man nicht/ oder nur ganz schwer mit einem Fotoapparat einfangen kann.
Meine Top Ten:
• Den Sonnenaufgang morgens während der 5-8-Wache zu erleben, wenn sich so langsam das Schwarz verliert, die Sterne verschwinden, der Himmel sich unendlich bunt färbt und dann ganz langsam die Sonne aus dem Meer erhebt. Noch dazu wenn es vorher verdammt kalt war,…aber auch wenn es sowieso schön warm ist.
• Nur zu toppen, wenn man in diesem Moment ganz oben, auf der obersten Rah ist und ein Segel zum Setzen auspackt. Unter einem das schlafende Schiff, nur die eigene Wache an Deck, um einen rum unendliche Weite und am Horizont die aufgehende Sonne.
• In der Hängematte liegen. Egal wo. An Bord, auf einer einsamen Insel, den Wind und die Wellen hören.
• An Deck schlafen, zusammengequetscht auf der Ladelucke, zwischen Schülern und Freunden, über dir unendlich viele Sterne, kein Licht weit und breit und das sanfte Wippen, bzw das Rollen des Schiffes auf den Wellen.
• Barfuß an Deck stehen und das Wasser an den Füßen spüren.
• Mit der Wache ein Segel setzen, oder mit der ganzen Besatzung eine Halse oder Wende fahren. Spüren wie alles in einander greift, zu wissen, was hier gerade passiert und ein Teil davon zu sein.
• Ein Segel hochbeten, d.h. diejenige zu sein, die hinten steht und die Befehle gibt und den Überblick behält und merken: hey, ich kann das ja!
• In unserem Pool auf der Back (Vorschiff) bei Sonnenuntergang planschen und verbotenerweise Gummibärchen naschen und einen heißen Tag ausklingen lassen.
• Die unendlichen Geräusche im Regenwald in Panama, die Stille auf dem Teide, der Lärm von Havanna und die Geräusche des Meeres beim Tauchen oder Schnorcheln in der Karibik.
• Und ganz vorne: guten Segelwind zu haben, das Schiff liegt ruhig auf dem Wellen, fliegt übers Wasser, du siehst nichts außer der unendlichen Weite des Meeres und des Horizonts, dir ist bewusst: wir sind mitten im Nichts, wir sind ein minikleines Segelschiff. Aber das ist egal, denn du hast unendliches Vertrauen in das Schiff und in die Besatzung. Der Wind bläst dir um die Nase, du musst den Blick vom Horizont nehmen, denn du stehst am Ruder und musst deinen Kurs am Kompass kontrollieren. Du legst ein paar Speichen backbord, dann wieder steuerbord, und du merkst wie die alte Dame ganz langsam und gemächlich reagiert und ihre Nase ein die Richtung dreht, in die du sie hin dirigierst. Aber nicht immer klappt das problemlos und dann steigt die Anspannung ein ganz klein wenig. Und du beginnst mit der alten Dame zu reden: „Liebe Thor, sei doch bitte jetzt nicht zickig, ich hab dich immer gut behandelt, hatte nie Gedanken an eine andere außer an dich, komm schon!“… und dann, wenn das nicht hilft: „Hey alte Dame, hörst du mich? Komm schon, bitte“ und wenn das alles nichts hilft „Komm schon Baby, beweg dein Prachtarsch!“ Dann ist sie manchmal eingeschnappt und du schießt über den Kurs hinaus, aber egal, das wird schon wieder! Und du hast ja immer noch den Horizont, um den Blick abzuwenden.
Keine Ahnung, ob das wirklich meine Top Ten sind, aber sie sind ganz weit vorne dabei!
Nichts desto trotz muss ich ganz ehrlich gestehen, dass ich auch froh bin, dass die Reise langsam dem Ende entgegen geht, denn manchmal möchte man doch nicht jede Sekunde des Tages mit 49 anderen Personen verbringen und was noch viel bedeutender ist: ich freue mich unendlich euch alle bald wieder zu sehen und in die Arme schließen zu können.
Deswegen werde ich dann mal weiter meinen Verpflichtungen nachgehen, Gutachten über meine Schüler verfassen, nachher Falmouth zusammen mit Desiree leer shoppen, heute Abend ein weiteres Anlege-Bier trinken und schauen, dass wir bald alle gesund und munter in Kiel ankommen werden.
Bis ganz bald also meine Lieben
Ein großes Ahoi von eurer Seefahrerpiratenbraut
ganz liebe Grüße aus England, genauer aus Falmouth.
Falmouth? Das könnte euch bekannt vorkommen. Nicht weil es hier irgendetwas „Besonderes“ gibt oder so (zumindest nichts, was man kennen müsste), nein vielleicht eher, weil mein erster Bericht ebenfalls von hier stammte!
Ja wir sind praktisch seit gestern Mittag zum ersten Mal „wieder zurück“! Seltsam durch die Straßen einer Kleinstadt/ eines Dorfes zu gehen und genau zu wissen, wo der Geldautomat, der Supermarkt und ganz wichtig, die beste Kneipe der Stadt zu finden sind…nicht zu vergessen: die „Shoppingmeile“!
Aber irgendwie ist es auch schön, bekannten Boden unter den Füßen zu haben! Aber was im Moment das dominierende Gefühl ist: es geht jetzt wirklich zu Ende! Man kann seit gestern mehr denn je spüren, dass Kiel nur noch einen Wimpernschlag entfernt ist! Und das fühlt sich ganz ehrlich sehr komisch an. Das katapultiert einen mittenrein in ein riesiges Gefühlschaos, aus dem man nicht mehr so leicht raus kommt. Es hat schon begonnen, dass ich mir in Situationen denke: „Das war es jetzt wahrscheinlich/ vielleicht zum letzten Mal!“ Zum Beispiel die kleinen Schweins- und Grindwale, die wir am Donnerstag gesehen haben, waren vielleicht die letzten Meeressäuger unserer Reise. Und wir hatten, wenn man so zurück blickt, wirklich häufig Delfine um den Bug, oder in der Nähe des Schiffes, auch Wale wurden hin und wieder gesichtet.
Beim Duschen stellt man fest: hei, das Duschgel reicht wohl doch bis Ende der Reise! Beim Aufräumen ist man nicht mehr so gründlich, man zieht ja eh bald aus! Es ist irgendwie auch egal, was es zum Essen gibt, bald kocht man sich eh wieder, auf was man selber Lust hat und nicht, was gerade schon fast am vergammeln ist in der Kühllast. Man wird auch nicht mehr so häufig für 50 Personen kochen müssen/ dürfen. Doch es ist viel mehr als das: es sind die letzten Tage mit den Menschen, die mit mir in den letzten 5 ½ Monaten zu jeder ungemütlichen Zeit aufgestanden und zur Wache gegangen sind, mit denen ich abends Karten gespielt oder einfach nur gequatscht hat. Die letzten Male, die ich mit meinen Schülern abends zu 10 in ein minikleines Bad gequetscht stehe und Zahnputzparty mache…. Kurz, die mir wahnsinnig ans Herz gewachsen sind!
Ich könnte unendlich so weiter schreiben!
Aber zugleich denke ich an die letzten 6 Monate zurück: wir sind jetzt 2 Mal über den ganzen riesig großen Atlantik gefahren, über 13000 Seemeilen werden wir in Kiel alle auf dem Buckel haben! Das ist schon ordentlich viel Wasser gewesen! Es gibt so viele unvergessliche kleine Momente, „kleine Freunden des Alltags“ haben wir sie an Bord getauft. Einfach Erinnerungen, die man nicht/ oder nur ganz schwer mit einem Fotoapparat einfangen kann.
Meine Top Ten:
• Den Sonnenaufgang morgens während der 5-8-Wache zu erleben, wenn sich so langsam das Schwarz verliert, die Sterne verschwinden, der Himmel sich unendlich bunt färbt und dann ganz langsam die Sonne aus dem Meer erhebt. Noch dazu wenn es vorher verdammt kalt war,…aber auch wenn es sowieso schön warm ist.
• Nur zu toppen, wenn man in diesem Moment ganz oben, auf der obersten Rah ist und ein Segel zum Setzen auspackt. Unter einem das schlafende Schiff, nur die eigene Wache an Deck, um einen rum unendliche Weite und am Horizont die aufgehende Sonne.
• In der Hängematte liegen. Egal wo. An Bord, auf einer einsamen Insel, den Wind und die Wellen hören.
• An Deck schlafen, zusammengequetscht auf der Ladelucke, zwischen Schülern und Freunden, über dir unendlich viele Sterne, kein Licht weit und breit und das sanfte Wippen, bzw das Rollen des Schiffes auf den Wellen.
• Barfuß an Deck stehen und das Wasser an den Füßen spüren.
• Mit der Wache ein Segel setzen, oder mit der ganzen Besatzung eine Halse oder Wende fahren. Spüren wie alles in einander greift, zu wissen, was hier gerade passiert und ein Teil davon zu sein.
• Ein Segel hochbeten, d.h. diejenige zu sein, die hinten steht und die Befehle gibt und den Überblick behält und merken: hey, ich kann das ja!
• In unserem Pool auf der Back (Vorschiff) bei Sonnenuntergang planschen und verbotenerweise Gummibärchen naschen und einen heißen Tag ausklingen lassen.
• Die unendlichen Geräusche im Regenwald in Panama, die Stille auf dem Teide, der Lärm von Havanna und die Geräusche des Meeres beim Tauchen oder Schnorcheln in der Karibik.
• Und ganz vorne: guten Segelwind zu haben, das Schiff liegt ruhig auf dem Wellen, fliegt übers Wasser, du siehst nichts außer der unendlichen Weite des Meeres und des Horizonts, dir ist bewusst: wir sind mitten im Nichts, wir sind ein minikleines Segelschiff. Aber das ist egal, denn du hast unendliches Vertrauen in das Schiff und in die Besatzung. Der Wind bläst dir um die Nase, du musst den Blick vom Horizont nehmen, denn du stehst am Ruder und musst deinen Kurs am Kompass kontrollieren. Du legst ein paar Speichen backbord, dann wieder steuerbord, und du merkst wie die alte Dame ganz langsam und gemächlich reagiert und ihre Nase ein die Richtung dreht, in die du sie hin dirigierst. Aber nicht immer klappt das problemlos und dann steigt die Anspannung ein ganz klein wenig. Und du beginnst mit der alten Dame zu reden: „Liebe Thor, sei doch bitte jetzt nicht zickig, ich hab dich immer gut behandelt, hatte nie Gedanken an eine andere außer an dich, komm schon!“… und dann, wenn das nicht hilft: „Hey alte Dame, hörst du mich? Komm schon, bitte“ und wenn das alles nichts hilft „Komm schon Baby, beweg dein Prachtarsch!“ Dann ist sie manchmal eingeschnappt und du schießt über den Kurs hinaus, aber egal, das wird schon wieder! Und du hast ja immer noch den Horizont, um den Blick abzuwenden.
Keine Ahnung, ob das wirklich meine Top Ten sind, aber sie sind ganz weit vorne dabei!
Nichts desto trotz muss ich ganz ehrlich gestehen, dass ich auch froh bin, dass die Reise langsam dem Ende entgegen geht, denn manchmal möchte man doch nicht jede Sekunde des Tages mit 49 anderen Personen verbringen und was noch viel bedeutender ist: ich freue mich unendlich euch alle bald wieder zu sehen und in die Arme schließen zu können.
Deswegen werde ich dann mal weiter meinen Verpflichtungen nachgehen, Gutachten über meine Schüler verfassen, nachher Falmouth zusammen mit Desiree leer shoppen, heute Abend ein weiteres Anlege-Bier trinken und schauen, dass wir bald alle gesund und munter in Kiel ankommen werden.
Bis ganz bald also meine Lieben
Ein großes Ahoi von eurer Seefahrerpiratenbraut
Donnerstag, 31. März 2011
Ein Sturm und ein Einparkmanöver später: Azoren
Hallo meine Lieben,
ganz liebe Grüße von den Azoren.
Wir sind hier jetzt seit fast einer Woche, aber irgendwie hab ich es noch nicht vorher geschafft den Bericht online zu stellen. Im moment ist echt viel zu tun, ich sag nur eins: ZEUGNISSE!!!!!
Deswegen kann es sein, dass der Bericht ein wenig hm wie soll ich sagen?...???konfus sein mag, aber wie schriebt man so schön in einem Zeugnis: sie bemühte sie sehr!!!
Aber von vorne:
Wir sind Freitagabend, 25.03.2011, nach genau 14 Tagen auf dem Nordatlantik hier auf den Azoren eingelaufen…und zwar wie!!
Aber der Reihe nach:
Wir liefen aus den Bermudas ja 2 Tage später aus, weil wir sonst direkt in eine Front gefahren wären und die ersten paar Tage nur gegen den Wind anfahren hätten müssen. Das Meer hatte sich aber schon mächtig aufgeschaukelt und kaum, dass wir aus dem Hafenbecken raus kamen, schaukelte es gigantisch! Ein Großteil der Crew war ziemlich bald wieder seekrank. Ich konnte mich noch zusammen reißen, aber mir gings auch nicht berauschend! Irgendwann wars dann auch um mich geschehen und gepaart mit üblen Kopfschmerzen musste ich zum ersten Mal seit England Fische füttern. Doch trotz alle dem wussten wir: das ist noch lange nicht alles, was der Nordatlantik zu bieten haben kann!
Die erste Woche ging dann ziemlich „ereignislos“ vorüber. Ich hatte insgesamt nur noch n paar wenige Stunden Geounterricht zu halten, die verdammt viel Spaß gemacht haben, der Wind war eingeschlafen, somit ging es allen gut, nur unser Kapitän war ein bisschen verstimmt mit Neptun, weil er uns so gar keinen Wind geschickte! So verbrachten wir eine ziemlich entspannte Woche zwar mit nach wie vor viel Geschaukel, aber ertragbar. Wache gehen hat auch richtig viel Spaß gemacht.
Dann kam der Sonntag, an dem ich Backschaft hatte. Wie haben sowohl zum Frühstück, als auch zum Mittagessen richtig lecker gekocht, auch wenn es schon eine Herausforderung ist 50 Steaks auf die Minute zu braten, nebenbei Kartoffeln, Sauerkraut und Zaziki in der gleichen Menge fertigzubekommen. Aber wir waren echt gut! Und dann kam der Kuchen: erst ging der Hefeteig nicht, dann hatten wir ihn auf dem Blech und mal 20 min zum Durchatmen, aber dann kam die große Katastrophe: da das Schiff immer leicht auf der Backboardseite lag, also schief, machte sich unser Blechkuchen im Ofen selbstständig und suchte sich seinen Weg runter vom Blech, rein in die Blechhalterung des Ofens: wir kratzen ihn also wieder raus,…das Aussehen war jetzt schon sehr spannend. Aber wir sagten unserer Besatzung einfach, dass der Kuchen Windstärke 7 (weil er eine sehr ungleichmäßige Oberfläche hatte!!!) heiße und alle liebten ihn.
Als ich an diesem Abend in meine Koje schlüpfte hatte der Wind bereits erheblich aufgefrischt und wir schossen ganz schön dahin!
Und dann kam sie: die Front, die sich schon im Wetterbericht angekündigt hatte. Jedoch dauerte das ganze Spektakel insgesamt ca 3 Tage! Der Seegang nahm zu, was heißt. Ich flog nachts in meiner Koje hoch und runter, Kopfstand am Kopfende und stehend am Fußende abwechselnd „lag“ ich in meiner Koje, an wirklich tiefen Schlaf war nicht wirklich zu denken, aber wenigstens flog ich nicht, wie manch andere, aus dem Bett! Der Wind nahm also von Sonntagabend an stetig zu, der Regen irgendwie auch, die Wellen stiegen nun so regelmäßig über Deck, dass wir alle Luftlucken, alles schließen mussten, es war ein wenig wie in einem U-Boot und der Geruch wurde nicht wirklich besser. Jeder der von Wache kam bracht zudem mit seinem nassen Ölzeug Feuchtigkeit ins Schiff, die Gerüche im Sanitärbereich erinnerten mich stark an das Tigerhaus im Nürnberger Tiergarten! Zudem flog man einfach nur noch durch die Gegend, die Frühstückstische räumten sich regelmäßig von selbst und verteilten sich in der ganzen Messe, in der aber nach wie vor Unterricht stattfand. Auf Wache durften nur noch wir Erwachsene die Sicherheitsrunden über Deck gehen, wenn man im Ausguck stand, musste man sich mit seinem Klettergurt festhängen.
So ging das bis Dienstagabend, dann war klar: heute Nacht wird’s ernst, die Front, die von hinten kommt wird uns überrollen, wir hatten bereits über 8 Windstärken und zunehmende Böen. Morgens um 6 gab es dann ein Signal: alle, die das hören mussten sofort an Deck kommen und helfen. Da ich eh keinen tiefen Schlaf hatte war ich sofort wach, in meinem Ölzeug und an Deck und hab geholfen. Es war richtig anstrengend, 2 Segel waren komplett durchgerissen und mussten schnell geborgen werden, nebenbei sind wir ne Halse gefahren: also 4 Std Action pur!
2 Tage später sind wir dann in Horta auf den Azoren eingelaufen und haben ein wahnsinnig knappes Anlegemanöver hingelegt: Rückwärts einparken mit einem 50 m langen Segelschiff wenn 2 richtig wertvolle andere Segelschiffe „im Weg“ parken ist echt eine Herausforderung: es war zwar sauknapp, aber wir haben es geschafft, ohne etwas anzurammen! Aber da hat echt die ganze Besatzung die Luft angehalten!
Hier auf den Azoren ist es echt verdammt schön! Alles wahnsinnig grün, der Frühling kommt langsam und die Inseln sind echt richtig schön! Am Montag haben Desiree und ich uns ein Auto gemietet und die Insel umrundet, das war echt schön! Dann am Dienstag war ich mit den Schüler beim Whale-Watching. Leider haben wir keine Wale gesehen, dafür aber viele tolle Delfine ganz nah und auch sonst war es ein toller Tag!
Gestern waren wir an einer Stelle auf der Insel, die am jüngsten ist. sie erst vor 50 Jahren durch einen Vulkanausbruch enstanden. Siehta us, wie auf dem Mond, war ein sehr spannender und beeindruckender Ausflug!
Heute waren Schiffsarbeiten auf der Tagesordnung. D.h. unter anderem: Schiff anmalen. Sehr toll, dass ich es nach 5 Monaten immer noch schaff in die frisch gestrichenen Stellen zu langen. Schiffsfarbe hält sich hartnäckig bis zu 3 Wochen auf der Haut, egal wieviel man wäscht! Naja hab ich halt ne schwarze Handfläche!!!
Bilder schick ich euch jetzt erstmal keine mehr, ich bin ja bald da und da zeig ich euch dann alles, also denen, die des gerne hätten!
So meine lieben: es ist ziemlich kalt und da wir morgen Nachmittag ablegen werde ich jetzt noch ein Ablegerbier trinken gehen, bevor dann morgen früh wieder die Zeugnisse auf mich warten.
Bis bald
ich freu mich schon auf euch
Kerstin
ganz liebe Grüße von den Azoren.
Wir sind hier jetzt seit fast einer Woche, aber irgendwie hab ich es noch nicht vorher geschafft den Bericht online zu stellen. Im moment ist echt viel zu tun, ich sag nur eins: ZEUGNISSE!!!!!
Deswegen kann es sein, dass der Bericht ein wenig hm wie soll ich sagen?...???konfus sein mag, aber wie schriebt man so schön in einem Zeugnis: sie bemühte sie sehr!!!
Aber von vorne:
Wir sind Freitagabend, 25.03.2011, nach genau 14 Tagen auf dem Nordatlantik hier auf den Azoren eingelaufen…und zwar wie!!
Aber der Reihe nach:
Wir liefen aus den Bermudas ja 2 Tage später aus, weil wir sonst direkt in eine Front gefahren wären und die ersten paar Tage nur gegen den Wind anfahren hätten müssen. Das Meer hatte sich aber schon mächtig aufgeschaukelt und kaum, dass wir aus dem Hafenbecken raus kamen, schaukelte es gigantisch! Ein Großteil der Crew war ziemlich bald wieder seekrank. Ich konnte mich noch zusammen reißen, aber mir gings auch nicht berauschend! Irgendwann wars dann auch um mich geschehen und gepaart mit üblen Kopfschmerzen musste ich zum ersten Mal seit England Fische füttern. Doch trotz alle dem wussten wir: das ist noch lange nicht alles, was der Nordatlantik zu bieten haben kann!
Die erste Woche ging dann ziemlich „ereignislos“ vorüber. Ich hatte insgesamt nur noch n paar wenige Stunden Geounterricht zu halten, die verdammt viel Spaß gemacht haben, der Wind war eingeschlafen, somit ging es allen gut, nur unser Kapitän war ein bisschen verstimmt mit Neptun, weil er uns so gar keinen Wind geschickte! So verbrachten wir eine ziemlich entspannte Woche zwar mit nach wie vor viel Geschaukel, aber ertragbar. Wache gehen hat auch richtig viel Spaß gemacht.
Dann kam der Sonntag, an dem ich Backschaft hatte. Wie haben sowohl zum Frühstück, als auch zum Mittagessen richtig lecker gekocht, auch wenn es schon eine Herausforderung ist 50 Steaks auf die Minute zu braten, nebenbei Kartoffeln, Sauerkraut und Zaziki in der gleichen Menge fertigzubekommen. Aber wir waren echt gut! Und dann kam der Kuchen: erst ging der Hefeteig nicht, dann hatten wir ihn auf dem Blech und mal 20 min zum Durchatmen, aber dann kam die große Katastrophe: da das Schiff immer leicht auf der Backboardseite lag, also schief, machte sich unser Blechkuchen im Ofen selbstständig und suchte sich seinen Weg runter vom Blech, rein in die Blechhalterung des Ofens: wir kratzen ihn also wieder raus,…das Aussehen war jetzt schon sehr spannend. Aber wir sagten unserer Besatzung einfach, dass der Kuchen Windstärke 7 (weil er eine sehr ungleichmäßige Oberfläche hatte!!!) heiße und alle liebten ihn.
Als ich an diesem Abend in meine Koje schlüpfte hatte der Wind bereits erheblich aufgefrischt und wir schossen ganz schön dahin!
Und dann kam sie: die Front, die sich schon im Wetterbericht angekündigt hatte. Jedoch dauerte das ganze Spektakel insgesamt ca 3 Tage! Der Seegang nahm zu, was heißt. Ich flog nachts in meiner Koje hoch und runter, Kopfstand am Kopfende und stehend am Fußende abwechselnd „lag“ ich in meiner Koje, an wirklich tiefen Schlaf war nicht wirklich zu denken, aber wenigstens flog ich nicht, wie manch andere, aus dem Bett! Der Wind nahm also von Sonntagabend an stetig zu, der Regen irgendwie auch, die Wellen stiegen nun so regelmäßig über Deck, dass wir alle Luftlucken, alles schließen mussten, es war ein wenig wie in einem U-Boot und der Geruch wurde nicht wirklich besser. Jeder der von Wache kam bracht zudem mit seinem nassen Ölzeug Feuchtigkeit ins Schiff, die Gerüche im Sanitärbereich erinnerten mich stark an das Tigerhaus im Nürnberger Tiergarten! Zudem flog man einfach nur noch durch die Gegend, die Frühstückstische räumten sich regelmäßig von selbst und verteilten sich in der ganzen Messe, in der aber nach wie vor Unterricht stattfand. Auf Wache durften nur noch wir Erwachsene die Sicherheitsrunden über Deck gehen, wenn man im Ausguck stand, musste man sich mit seinem Klettergurt festhängen.
So ging das bis Dienstagabend, dann war klar: heute Nacht wird’s ernst, die Front, die von hinten kommt wird uns überrollen, wir hatten bereits über 8 Windstärken und zunehmende Böen. Morgens um 6 gab es dann ein Signal: alle, die das hören mussten sofort an Deck kommen und helfen. Da ich eh keinen tiefen Schlaf hatte war ich sofort wach, in meinem Ölzeug und an Deck und hab geholfen. Es war richtig anstrengend, 2 Segel waren komplett durchgerissen und mussten schnell geborgen werden, nebenbei sind wir ne Halse gefahren: also 4 Std Action pur!
2 Tage später sind wir dann in Horta auf den Azoren eingelaufen und haben ein wahnsinnig knappes Anlegemanöver hingelegt: Rückwärts einparken mit einem 50 m langen Segelschiff wenn 2 richtig wertvolle andere Segelschiffe „im Weg“ parken ist echt eine Herausforderung: es war zwar sauknapp, aber wir haben es geschafft, ohne etwas anzurammen! Aber da hat echt die ganze Besatzung die Luft angehalten!
Hier auf den Azoren ist es echt verdammt schön! Alles wahnsinnig grün, der Frühling kommt langsam und die Inseln sind echt richtig schön! Am Montag haben Desiree und ich uns ein Auto gemietet und die Insel umrundet, das war echt schön! Dann am Dienstag war ich mit den Schüler beim Whale-Watching. Leider haben wir keine Wale gesehen, dafür aber viele tolle Delfine ganz nah und auch sonst war es ein toller Tag!
Gestern waren wir an einer Stelle auf der Insel, die am jüngsten ist. sie erst vor 50 Jahren durch einen Vulkanausbruch enstanden. Siehta us, wie auf dem Mond, war ein sehr spannender und beeindruckender Ausflug!
Heute waren Schiffsarbeiten auf der Tagesordnung. D.h. unter anderem: Schiff anmalen. Sehr toll, dass ich es nach 5 Monaten immer noch schaff in die frisch gestrichenen Stellen zu langen. Schiffsfarbe hält sich hartnäckig bis zu 3 Wochen auf der Haut, egal wieviel man wäscht! Naja hab ich halt ne schwarze Handfläche!!!
Bilder schick ich euch jetzt erstmal keine mehr, ich bin ja bald da und da zeig ich euch dann alles, also denen, die des gerne hätten!
So meine lieben: es ist ziemlich kalt und da wir morgen Nachmittag ablegen werde ich jetzt noch ein Ablegerbier trinken gehen, bevor dann morgen früh wieder die Zeugnisse auf mich warten.
Bis bald
ich freu mich schon auf euch
Kerstin
Freitag, 11. März 2011
In Bermudas auf Bermudas
So meine Lieben,
die letzten Stunden auf den Bermudas haben geschlagen. Wir waren gerade noch vom Stamm ein Ablegerbier trinken, morgen früh um 6:30 Uhr ist allgemeines Wecken und dann heißts: "Vorne und Achtern auf eins verkürzen, die Segel im ersten Reff setzen, wir segeln zu den Azoren".
Habe übrigens das allgemeine Verletzungsverbot heute gleich mal missachtet und mir beim Reinschiff machen so dermaßen den Kopf an einem Bulleye gestoßen, dass ich jetzt aus meinem Hinterkopf ein zweiter Kopf wächst. Naja Verbot gilt ja auch eigentlich erst ab morgen. Ich geh jetzt in die Heia, damit ich für morgen fitt bin.
Hier noch ein kleiner Eindruck von hier (Fotod hochladen geht mit den schlechten Internetverbindungen hier gar nicht, soory. Die letzten hatte mein Bruder oline gestellt, nachdem ich ihm ne CD geschickt hatte)
Viele Grüße bis zu den Azoren
Kerstin
die letzten Stunden auf den Bermudas haben geschlagen. Wir waren gerade noch vom Stamm ein Ablegerbier trinken, morgen früh um 6:30 Uhr ist allgemeines Wecken und dann heißts: "Vorne und Achtern auf eins verkürzen, die Segel im ersten Reff setzen, wir segeln zu den Azoren".
Habe übrigens das allgemeine Verletzungsverbot heute gleich mal missachtet und mir beim Reinschiff machen so dermaßen den Kopf an einem Bulleye gestoßen, dass ich jetzt aus meinem Hinterkopf ein zweiter Kopf wächst. Naja Verbot gilt ja auch eigentlich erst ab morgen. Ich geh jetzt in die Heia, damit ich für morgen fitt bin.
Hier noch ein kleiner Eindruck von hier (Fotod hochladen geht mit den schlechten Internetverbindungen hier gar nicht, soory. Die letzten hatte mein Bruder oline gestellt, nachdem ich ihm ne CD geschickt hatte)
Viele Grüße bis zu den Azoren
Kerstin
Donnerstag, 10. März 2011
Liebe Grüße von der kunterbunten Puppeninsel Bermudas
Hallo ihr lieben
Morgen laufen wir nach über einer Woche wieder aus und werden die Bermudas hinter uns lassen. Dann liegen 1800 sm vor uns bis wir auf die Azoren kommen werden. D.h. dann wieder 1800 sm nur Blau, aber auch 1800 sm Verletzungsverbot. Das wird bestimmt megaspannend. V.a. weil es der Nordatlantik in sich hat! Das wird kein Ausflug auf den Ponyhof. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir ja bereits bei unserer Ankunft hier bekommen und auch wegen des schlechten Wetters auf dem Nordatlantik in den letzten Tagen laufen wir morgen auch 2 Tage nach Plan aus. Es herrschen zur Zeit östliche Winde, was eher unpraktisch ist, wenn man nach Osten möchte und nicht genug Treibstoff für 3 Wochen Maschinenfahrt bunkern kann. Aber jetzt kommt dann ein Hoch aus eher nördlichen Breiten, dass uns dann in seinem Rücken ein Stückchen mit nach Norden nehmen wird und im Moment liegt über Nordamerika ein fettes Tief, dass uns dann in ein paar Tagen hoffentlich richtig schön nach Osten schieben wird. Trotz alle dem wird es nun ungemütlicher werden, aber ich habs ja nicht anders gewollt.
Hier auf den Bermudas ist es total geil. Die Dörfer bestehen aus wunderschönen, kleinen, kunterbunten Häuschen mit weißen Dächern, die Menschen sind unwahrscheinlich nett und es macht einfach nur Spaß sich den Wind um die Nase blasen zu lassen und die tagsüber halbwegs ertragbare Kälte von knapp unter 20 Grad und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Es ist ein bisschen Wetter wie wenn man Ostern snowboarden geht. Hier kann man es echt länger aushalten. Bis vorgestern hatten wir zudem noch sehr prominente Nachbarschaft: die Alexander von Humboldt, das Schiff aus der Becks- Werbung lag direkt hinter uns an der Pier. Und klar geht man sich so unter Seglern gegenseitig besuchen und zeigt sich das andere Schiff. Schon ganz nett, die Alex. Nur wird sie jetzt dann verschrottet und ein neues Schiff wird bereits in Hamburg gebaut (sie käme nicht mehr durch den „TÜV“) das wird dann wieder weiße Segel bekommen, weil der Werbevertrag mit Becks beendet ist. Ansonsten waren das schon leicht eingebildete Schnösel auf dem Kahn, aber egal!
Vor ein paar Tagen war ich auf Schülerausflug mit meinen Kindern am anderen Ende der Insel, war cool! So hab ich echt viel von der Insel gesehen. Ein bisschen blöd ist, dass hier alles sowas von teuer ist, dass man gar net so geil shoppen gehen kann. Des ist echt n verdammter schissdreck! Aber natürlich musste ich mir trotzdem eine Bermuda- Shorts kaufen, die trag ich jetzt zu meinem letzten Landgang…wenn schon, den schon!
So ihr lieben, der 5$-Kaffee wird grad kalt, ich denke ihr versteht mein Dilemma…
Knutsche euch feste
Und macht euch bereit: ich komme euch immer näher!
Kerstin
Morgen laufen wir nach über einer Woche wieder aus und werden die Bermudas hinter uns lassen. Dann liegen 1800 sm vor uns bis wir auf die Azoren kommen werden. D.h. dann wieder 1800 sm nur Blau, aber auch 1800 sm Verletzungsverbot. Das wird bestimmt megaspannend. V.a. weil es der Nordatlantik in sich hat! Das wird kein Ausflug auf den Ponyhof. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir ja bereits bei unserer Ankunft hier bekommen und auch wegen des schlechten Wetters auf dem Nordatlantik in den letzten Tagen laufen wir morgen auch 2 Tage nach Plan aus. Es herrschen zur Zeit östliche Winde, was eher unpraktisch ist, wenn man nach Osten möchte und nicht genug Treibstoff für 3 Wochen Maschinenfahrt bunkern kann. Aber jetzt kommt dann ein Hoch aus eher nördlichen Breiten, dass uns dann in seinem Rücken ein Stückchen mit nach Norden nehmen wird und im Moment liegt über Nordamerika ein fettes Tief, dass uns dann in ein paar Tagen hoffentlich richtig schön nach Osten schieben wird. Trotz alle dem wird es nun ungemütlicher werden, aber ich habs ja nicht anders gewollt.
Hier auf den Bermudas ist es total geil. Die Dörfer bestehen aus wunderschönen, kleinen, kunterbunten Häuschen mit weißen Dächern, die Menschen sind unwahrscheinlich nett und es macht einfach nur Spaß sich den Wind um die Nase blasen zu lassen und die tagsüber halbwegs ertragbare Kälte von knapp unter 20 Grad und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Es ist ein bisschen Wetter wie wenn man Ostern snowboarden geht. Hier kann man es echt länger aushalten. Bis vorgestern hatten wir zudem noch sehr prominente Nachbarschaft: die Alexander von Humboldt, das Schiff aus der Becks- Werbung lag direkt hinter uns an der Pier. Und klar geht man sich so unter Seglern gegenseitig besuchen und zeigt sich das andere Schiff. Schon ganz nett, die Alex. Nur wird sie jetzt dann verschrottet und ein neues Schiff wird bereits in Hamburg gebaut (sie käme nicht mehr durch den „TÜV“) das wird dann wieder weiße Segel bekommen, weil der Werbevertrag mit Becks beendet ist. Ansonsten waren das schon leicht eingebildete Schnösel auf dem Kahn, aber egal!
Vor ein paar Tagen war ich auf Schülerausflug mit meinen Kindern am anderen Ende der Insel, war cool! So hab ich echt viel von der Insel gesehen. Ein bisschen blöd ist, dass hier alles sowas von teuer ist, dass man gar net so geil shoppen gehen kann. Des ist echt n verdammter schissdreck! Aber natürlich musste ich mir trotzdem eine Bermuda- Shorts kaufen, die trag ich jetzt zu meinem letzten Landgang…wenn schon, den schon!
So ihr lieben, der 5$-Kaffee wird grad kalt, ich denke ihr versteht mein Dilemma…
Knutsche euch feste
Und macht euch bereit: ich komme euch immer näher!
Kerstin
Dienstag, 8. März 2011
Eintrag im Bordtagebuch
Hallo
Kerstin hat vor wenigen Tagen einen sehr schönen Eintrag für das Bordtagebuch verfasst.
Es lohnt sich wirklich da auch nachzulesen.
Hier geht es zum Bordtagebuch
Gruß
Tobi
Kerstin hat vor wenigen Tagen einen sehr schönen Eintrag für das Bordtagebuch verfasst.
Es lohnt sich wirklich da auch nachzulesen.
Hier geht es zum Bordtagebuch
Gruß
Tobi
Donnerstag, 3. März 2011
Bermudas: nicht nur Kuba ist eine andere Welt!
02.03.2011
Hallo ihr Lieben,
es ist 17:15 Uhr, ich sitze mal wieder in der Messe und doch ist heute vieles ganz anders, als beim letzten Mal als ich von hier berichtet habe.
1.der Zeitunterschied zu euch zu Hause beträgt nun eine Stunde weniger, d.h. nur noch 5 Std
2.es ist keinerlei Bewegung im Schiff
3.und das ist der mit Abstand größte Unterschied: wir tragen alle lange Klamotten und teilweise nicht nur eine Schicht!!!
Jetzt fragt ihr euch: Hä? Na ganz einfach, wir liegen seit heute Mittag in St. George, Bermudas, an der Pier.
Zurzeit haben wir eine Lufttemperatur von circa 16° Grad! Unglaublich, wie sehr ich friere!
Gigantisch ist allerdings, dass mir meine Jeans noch passt. Die hatte ich seit Falmouth, England, nicht mehr in der Hand, geschweige denn an! Ok, da war mal mehr Platz, aber sie geht zu. Da wir an Bord ja keine Wagen haben (sie würden bei dem Geschaukel eh nicht lange richtig anzeigen) ist das (das Passen der Hosen) das einzige Merkmal, an dem man erkennen kann, ob man zugenommen hat oder nicht. Und da im Normalfall Mädchen/ Frauen an Bord im Durchschnitt 7 Kilo zunehmen ist das schon schön, wenn einem die einzige etwas dickere Hose, die man dabei hat, noch passt!
So, aber jetzt genug von Hosen!
Also von Panama aus ging es ja nach Kuba. Wie geplant kamen wir am 31.01. dort an, gingen vor Maria la Gorda vor Anker, hatten dann für mehrere Stunden die Behörden inkl Drogenhunde etc an Bord, mussten alle zur Ausweiskontrolle und durften dann irgendwann an Land bzw ins Wasser. Um uns herum war das Meer schon wieder mal sowas von unverschämt klar und türkisblau, dass ich es kaum fassen konnte: man hat die einzelnen Fische und ihre Bewegung noch in 7 m Wassertiefe ohne Probleme von Bord aus erkennen können! Jedoch war das Wasser schon ein wenig kühler als in der Karibik! Nach 1 ½ Tagen Schiffsarbeiten und Packen gingen wir (die Schüler und Lehrer) von Bord, um 21 Tage auf Kuba zu verbringen. Nachdem mein Rucksack in Panama schon ohne Souvenirs unheimlich schwer gewesen war, habe ich diesmal gleich mal viel weniger eingepackt.
Desiree und ich blieben dann eine Nacht in Maria la Gorda, es war die teuerste Übernachtung meiner ganzen Reise, aber ein Bungalow mit Meeresblick kostet eben! Ich war dann noch einmal tauchen, es war einfach unglaublich wie viel wir gesehen haben und welche Farbenpracht und Fischvielfalt uns da unter Wasser erwartet hat!
Am nächsten Tag durften wir dann das erste Mal erleben, dass wir wirklich auf Kuba gelandet waren: der einzige Kleinbus, der an diesem Tag von unserem Hotel mitten im Nichts Richtung Vinales (wo wir hin wollten) ging, war voll, aber der Fahrer machte uns Aussichten, dass wir vielleicht hinten beim Gepäck im Kofferraum mit rein könnten, wenn wir das aber für uns behielten. Noch am Tag vorher wurde uns erklärt, dass eigentlich jeden Tag ein Bus fahren würde, in den man ohne Probleme einen Platz bekommen könnte. So gammelten wir den ganzen Tag am Strand herum, checkten vorsichtshalber mal aus dem Hotel aus und bekamen dann auf ominöse Weise doch noch 2 ganz normale Plätze im Bus.
Die Fahrt nach Vinales war sehr interessant: immer wieder überholten wir Pferdefuhrwerke oder LKWs, auf deren „Ladefläche“ Kubaner gedrängt standen.
In Vinales versuchten wir dann im Dunkeln eine Unterkunft zu bekommen. In Kuba gibt es sogenannte „Casa particulares“: Privathäuser, die im Höchstfall (vom Staat so festgelegt) 2 Zimmer vermieten dürfen. Irgendwie schaften wir es mit praktisch keinen Spanischkenntnissen ein Zimmer mit Frühstück für die nächsten 3 Nächte zu bekommen. Die Familie, der die Casa gehörte war sehr nett und half uns gleich für den nächsten Tag einen Ausflug zu organisieren.
Am nächsten Morgen wurden wir bereits um 5 Uhr von den Hähnen der umliegenden Häuser geweckt. Praktisch alle Häuser in der Nachbarschaft besaßen Hühner: ganz toll!
Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Bummel entlang der Hauptstraße des Dorfes ging es dann auf einen Reitausflug in das Tal. Vinales ist das Tabakanbaugebiet in Kuba schlecht hin. Zudem ist das Tal eigentlich sehr eben, doch befinden sich einzelne Felsblöcke bzw Hügel im Tal, die aussehen, wie künstlich dort hin gesetzt. Wir ritten also durch diese bizarre Landschaft, zwischen Bergenformationen und Tabakfeldern hindurch und genossen das tolle Wetter. Unterwegs besuchten wir einen Tabakbauern, schauten uns an wie man Zigarren dreht und raucht und machten einen Abstecher in eine Tropfsteinhöhle, an deren Ende ein See war. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen in den Höhlensee zu springen und durch ihn in eine weitere dahinter gelegene Höhle zu waten. Ziemlich abgekühlt und pitschnass, aber mit tollen Eindrücken für die Erinnerungsschatztruhe ritten wir zurück. An den nächsten Tagen spazierten wir durch die Gegend, zu einem Aussichtspunkt und fuhren dann mit einem weiteren Reisebus, den wir diesmal in weiser Voraussicht bereits 2 Tage vorher gebucht hatten, nach Havanna.
Was für eine atemberaubend schöne Stadt! Havanna besteht nur aus alten Häusern, die mehr oder weniger renoviert oder kurz vorm Zusammenstürzen sind. Jeder Straße für sich ist schon ein Highlight. Wir haben mitten in der Altstadt in einem alten Jugendstilhaus (wieder ein Casa particulares) gewohnt und hatten auch eine Dachterrasse, von der aus man über einen großen Teil der Altstadt blicken konnte. Von dort aus sind wir jeden Tag losgezogen und haben uns Havanna und deren Märkte etc angeschaut, sind durch die Straßen gebummelt oder sind einfach zum Malecon, der weltberühmten Uferpromonade, heruntergelaufen, haben uns auf die Brüstung gelegt den Menschen und den alten Chevrolets zu geschaut oder haben nur aufs Meer geguckt und was total Geniales gemacht: gar nix. Nach viel leckerem Essen und noch mehr nervigen Kubanern, die uns immer und überall hinter gerufen haben, waren diese relaxten Tage auch schon wieder vorbei und ich durfte mit 6 Schülern für 5 Tage nach Santiago de Cuba, ganz im Südosten des Landes, fahren. Also saßen wir halt 2 x je 16 Stunden im Bus und sind durchs ganze Land gefahren. Dort angekommen war meine Aufgabe einfach nur auf die Schüler aufzupassen und ihren tollen Exkursionsplan mit zu verfolgen. Vor Beginn der Kleingruppenexkursion musste jede Gruppe einen Plan vorstellen und den verfolgten wir nun also. Wir schauten uns Museen an, gingen ins Casa de la Trova und „chillten“ in den Straßen von Santiago oder auf unserer Dachterrasse in der Hollywoodschaukel. Einmal sind wir abends richtig schön tanzen gewesen. Auch ansonsten haben die 5 Tage mit „meinen Kindern“ echt richtig viel Spaß gemacht.
Danach waren Desiree und ich nochmal 3 ½ Tage in Havanna. Wir hatten einfach keine Lust mehr zu reisen und uns darum zu kümmern irgendetwas auf die Beine zu stellen. Nach 3 Wochen reisen durch Panama und 3 Wochen reisen durch Kuba hatten wir einfach langsam genug. Ich denke echt ich bin langsam zu überladen mit Eindrücken und kann bald nicht mehr so ganz verarbeiten, was ich alles sehe und erlebe.
Das meine ich jetzt nicht negativ. Es ist nur echt so, dass man gar nicht mehr weiß, wie man das alles in seinem Kopf ordnen soll und was man in welche Schubladen ablegen könnte. Vieles werdet ihr euch noch in Jahren anhören dürfen. Ich könnte an dieser Stelle auch unendlich viel über das System und die Gesellschaft in Kuba schreiben. Kurz: Kuba ist eine komplett andere Welt, als die in der wir leben! Schon sehr krass! Aber das erzähl ich euch dann alles in ein paar Wochen.
Wie schon vorhin erwähnt liegen wir jetzt in Bermudas. Hinter uns liegt die 2. Schiffsübergabe, dass heißt wir haben für 5 Tage das Schiff komplett in Schülerhand übergeben, noch dazu die Navigationsgeräte komplett abgeschaltet. D.h. es wurde 5 Tage lang nur mit Hilfe eines Sextanten, der Sonne und der Sterne unsere Position bestimmt und somit unser Kurs etc berechnet. Gestern um 16:00 Uhr wurde dann verglichen: die Schüler lagen mit ihren Berechnungen nur 5 Seemeilen neben der wahren Position. Wie ich finde, eine sehr gute Leistung. Nachdem wir uns alle darüber sehr gefreut haben hat es uns dann nach tagelanger Flaute knübbeldick erwischt! Es kam Wind und Regen auf. Wir sind nur so dahin geschossen, die Thor lag ziemlich gut und ruhig auf den brausenden Wogen und flog leider viel zu schnell Richtung Bermudas. Wir mussten Segel bergen, da die Hafeneinfahrt von St. George so knapp ist, dass wir das bei dem Wind (Stärke zw 7 und 8) bei Nacht nur schwer hätten stemmen können. Die Folge von Segelbergen bedeutete auch, dass es wieder viel mehr schaukelte. (Mir macht das ja eigentlich gar nix mehr aus, nur meine Fächer in der Kammer erwachen dann immer zum Leben und meinen sie müssten sich in der ganzen Kammer verteilen. Nein aufräumen bei Windstärke 8 macht nicht ganz so viel Spaß!) Doch dann kam alles anders: das Tief, das nördlich von uns lag, ist nach Süden gewandert, also zu uns. Das hatte zur Folge, dass wir in meiner Wache gegen 22:00 Uhr bei strömenden Regen eine Halse fahren mussten (also ganz grob: das Schiff „drehen“ mussten, damit wir wieder mit dem Wind segeln, aber immer noch in die richtige Richtung fahren). Zum ersten Mal auf der Reise stand ich bei einem Segelmanöver nicht an irgendwelchen Tampen um Segel zu bewegen, sondern am Ruder. Das war ganz schön aufregend! Detlef, unser Kapitän, stand neben mir und hat mir immer die „Befehle“ wie ich Ruder legen soll gegen den Wind zugeschrien und ich habe mich bemüht das Ganze möglichst genau umzusetzen. Leider drehte der Wind danach noch weiter und kam am Ende meiner Wache schon fast von Vorne. In der restlichen Nacht wurden dann alle Segel geborgen und leider der Motor wieder angeschmissen. Das Schiff schaukelte ohne Ende, Schlafen war eine Herausforderung. Auch noch am Morgen als ich wieder auf Wache kam hatte sich das Wetter noch nicht wirklich gebessert. So motorten wir gegen mindestens 8 Windstärken an, was zur Folge hatte, dass wir teilweise trotz voller Maschinenleistung 1 ½ Knoten rückwärtsfuhren … entlang an Bermudas. Doch irgendwann haben wir es dann doch geschafft, waren fast einmal um die Insel herum und konnten in das Hafenbecken einfahren und anlegen. Bermudas wirkt sehr nett und sieht genau so aus, wie man sich eine ehemalige englische Kolonie vorstellt. Mehr kann ich noch nicht sagen, wird sich zeigen.
Ansonsten gibt es nicht viel Neues von hier. Auf der einen Seite ist es unglaublich, dass bereits 4 Monate der Reise vorbei sein sollen, mir kommt es manchmal vor wie ein Wimpernschlag. Auf der anderen Seite freu ich mich schon wahnsinnig auf euch alle daheim und all das zu sehen und zu hören, was bei euch so passiert ist. Doch trotz alle dem macht das Segeln so ungemein viel Spaß, dass ich eigentlich nicht will, dass das enden wird. Jeden Tag schon beim Frühstück das Meer und den Horizont zu sehen ist einfach gigantisch und unglaublich schön!
So jetzt werde ich mich mal wieder in meine Unterrichtsvorbereitung für die nächsten Tage bzw Wochen stürzen.
Macht es alle gut daheim und esst bitte immer schön brav auf, damit es daheim schon ein bisschen wärmer ist, wenn ich wieder komme.
Drück euch alle tausendundeinmal
Kerstin
Hallo ihr Lieben,
es ist 17:15 Uhr, ich sitze mal wieder in der Messe und doch ist heute vieles ganz anders, als beim letzten Mal als ich von hier berichtet habe.
1.der Zeitunterschied zu euch zu Hause beträgt nun eine Stunde weniger, d.h. nur noch 5 Std
2.es ist keinerlei Bewegung im Schiff
3.und das ist der mit Abstand größte Unterschied: wir tragen alle lange Klamotten und teilweise nicht nur eine Schicht!!!
Jetzt fragt ihr euch: Hä? Na ganz einfach, wir liegen seit heute Mittag in St. George, Bermudas, an der Pier.
Zurzeit haben wir eine Lufttemperatur von circa 16° Grad! Unglaublich, wie sehr ich friere!
Gigantisch ist allerdings, dass mir meine Jeans noch passt. Die hatte ich seit Falmouth, England, nicht mehr in der Hand, geschweige denn an! Ok, da war mal mehr Platz, aber sie geht zu. Da wir an Bord ja keine Wagen haben (sie würden bei dem Geschaukel eh nicht lange richtig anzeigen) ist das (das Passen der Hosen) das einzige Merkmal, an dem man erkennen kann, ob man zugenommen hat oder nicht. Und da im Normalfall Mädchen/ Frauen an Bord im Durchschnitt 7 Kilo zunehmen ist das schon schön, wenn einem die einzige etwas dickere Hose, die man dabei hat, noch passt!
So, aber jetzt genug von Hosen!
Also von Panama aus ging es ja nach Kuba. Wie geplant kamen wir am 31.01. dort an, gingen vor Maria la Gorda vor Anker, hatten dann für mehrere Stunden die Behörden inkl Drogenhunde etc an Bord, mussten alle zur Ausweiskontrolle und durften dann irgendwann an Land bzw ins Wasser. Um uns herum war das Meer schon wieder mal sowas von unverschämt klar und türkisblau, dass ich es kaum fassen konnte: man hat die einzelnen Fische und ihre Bewegung noch in 7 m Wassertiefe ohne Probleme von Bord aus erkennen können! Jedoch war das Wasser schon ein wenig kühler als in der Karibik! Nach 1 ½ Tagen Schiffsarbeiten und Packen gingen wir (die Schüler und Lehrer) von Bord, um 21 Tage auf Kuba zu verbringen. Nachdem mein Rucksack in Panama schon ohne Souvenirs unheimlich schwer gewesen war, habe ich diesmal gleich mal viel weniger eingepackt.
Desiree und ich blieben dann eine Nacht in Maria la Gorda, es war die teuerste Übernachtung meiner ganzen Reise, aber ein Bungalow mit Meeresblick kostet eben! Ich war dann noch einmal tauchen, es war einfach unglaublich wie viel wir gesehen haben und welche Farbenpracht und Fischvielfalt uns da unter Wasser erwartet hat!
Am nächsten Tag durften wir dann das erste Mal erleben, dass wir wirklich auf Kuba gelandet waren: der einzige Kleinbus, der an diesem Tag von unserem Hotel mitten im Nichts Richtung Vinales (wo wir hin wollten) ging, war voll, aber der Fahrer machte uns Aussichten, dass wir vielleicht hinten beim Gepäck im Kofferraum mit rein könnten, wenn wir das aber für uns behielten. Noch am Tag vorher wurde uns erklärt, dass eigentlich jeden Tag ein Bus fahren würde, in den man ohne Probleme einen Platz bekommen könnte. So gammelten wir den ganzen Tag am Strand herum, checkten vorsichtshalber mal aus dem Hotel aus und bekamen dann auf ominöse Weise doch noch 2 ganz normale Plätze im Bus.
Die Fahrt nach Vinales war sehr interessant: immer wieder überholten wir Pferdefuhrwerke oder LKWs, auf deren „Ladefläche“ Kubaner gedrängt standen.
In Vinales versuchten wir dann im Dunkeln eine Unterkunft zu bekommen. In Kuba gibt es sogenannte „Casa particulares“: Privathäuser, die im Höchstfall (vom Staat so festgelegt) 2 Zimmer vermieten dürfen. Irgendwie schaften wir es mit praktisch keinen Spanischkenntnissen ein Zimmer mit Frühstück für die nächsten 3 Nächte zu bekommen. Die Familie, der die Casa gehörte war sehr nett und half uns gleich für den nächsten Tag einen Ausflug zu organisieren.
Am nächsten Morgen wurden wir bereits um 5 Uhr von den Hähnen der umliegenden Häuser geweckt. Praktisch alle Häuser in der Nachbarschaft besaßen Hühner: ganz toll!
Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Bummel entlang der Hauptstraße des Dorfes ging es dann auf einen Reitausflug in das Tal. Vinales ist das Tabakanbaugebiet in Kuba schlecht hin. Zudem ist das Tal eigentlich sehr eben, doch befinden sich einzelne Felsblöcke bzw Hügel im Tal, die aussehen, wie künstlich dort hin gesetzt. Wir ritten also durch diese bizarre Landschaft, zwischen Bergenformationen und Tabakfeldern hindurch und genossen das tolle Wetter. Unterwegs besuchten wir einen Tabakbauern, schauten uns an wie man Zigarren dreht und raucht und machten einen Abstecher in eine Tropfsteinhöhle, an deren Ende ein See war. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen in den Höhlensee zu springen und durch ihn in eine weitere dahinter gelegene Höhle zu waten. Ziemlich abgekühlt und pitschnass, aber mit tollen Eindrücken für die Erinnerungsschatztruhe ritten wir zurück. An den nächsten Tagen spazierten wir durch die Gegend, zu einem Aussichtspunkt und fuhren dann mit einem weiteren Reisebus, den wir diesmal in weiser Voraussicht bereits 2 Tage vorher gebucht hatten, nach Havanna.
Was für eine atemberaubend schöne Stadt! Havanna besteht nur aus alten Häusern, die mehr oder weniger renoviert oder kurz vorm Zusammenstürzen sind. Jeder Straße für sich ist schon ein Highlight. Wir haben mitten in der Altstadt in einem alten Jugendstilhaus (wieder ein Casa particulares) gewohnt und hatten auch eine Dachterrasse, von der aus man über einen großen Teil der Altstadt blicken konnte. Von dort aus sind wir jeden Tag losgezogen und haben uns Havanna und deren Märkte etc angeschaut, sind durch die Straßen gebummelt oder sind einfach zum Malecon, der weltberühmten Uferpromonade, heruntergelaufen, haben uns auf die Brüstung gelegt den Menschen und den alten Chevrolets zu geschaut oder haben nur aufs Meer geguckt und was total Geniales gemacht: gar nix. Nach viel leckerem Essen und noch mehr nervigen Kubanern, die uns immer und überall hinter gerufen haben, waren diese relaxten Tage auch schon wieder vorbei und ich durfte mit 6 Schülern für 5 Tage nach Santiago de Cuba, ganz im Südosten des Landes, fahren. Also saßen wir halt 2 x je 16 Stunden im Bus und sind durchs ganze Land gefahren. Dort angekommen war meine Aufgabe einfach nur auf die Schüler aufzupassen und ihren tollen Exkursionsplan mit zu verfolgen. Vor Beginn der Kleingruppenexkursion musste jede Gruppe einen Plan vorstellen und den verfolgten wir nun also. Wir schauten uns Museen an, gingen ins Casa de la Trova und „chillten“ in den Straßen von Santiago oder auf unserer Dachterrasse in der Hollywoodschaukel. Einmal sind wir abends richtig schön tanzen gewesen. Auch ansonsten haben die 5 Tage mit „meinen Kindern“ echt richtig viel Spaß gemacht.
Danach waren Desiree und ich nochmal 3 ½ Tage in Havanna. Wir hatten einfach keine Lust mehr zu reisen und uns darum zu kümmern irgendetwas auf die Beine zu stellen. Nach 3 Wochen reisen durch Panama und 3 Wochen reisen durch Kuba hatten wir einfach langsam genug. Ich denke echt ich bin langsam zu überladen mit Eindrücken und kann bald nicht mehr so ganz verarbeiten, was ich alles sehe und erlebe.
Das meine ich jetzt nicht negativ. Es ist nur echt so, dass man gar nicht mehr weiß, wie man das alles in seinem Kopf ordnen soll und was man in welche Schubladen ablegen könnte. Vieles werdet ihr euch noch in Jahren anhören dürfen. Ich könnte an dieser Stelle auch unendlich viel über das System und die Gesellschaft in Kuba schreiben. Kurz: Kuba ist eine komplett andere Welt, als die in der wir leben! Schon sehr krass! Aber das erzähl ich euch dann alles in ein paar Wochen.
Wie schon vorhin erwähnt liegen wir jetzt in Bermudas. Hinter uns liegt die 2. Schiffsübergabe, dass heißt wir haben für 5 Tage das Schiff komplett in Schülerhand übergeben, noch dazu die Navigationsgeräte komplett abgeschaltet. D.h. es wurde 5 Tage lang nur mit Hilfe eines Sextanten, der Sonne und der Sterne unsere Position bestimmt und somit unser Kurs etc berechnet. Gestern um 16:00 Uhr wurde dann verglichen: die Schüler lagen mit ihren Berechnungen nur 5 Seemeilen neben der wahren Position. Wie ich finde, eine sehr gute Leistung. Nachdem wir uns alle darüber sehr gefreut haben hat es uns dann nach tagelanger Flaute knübbeldick erwischt! Es kam Wind und Regen auf. Wir sind nur so dahin geschossen, die Thor lag ziemlich gut und ruhig auf den brausenden Wogen und flog leider viel zu schnell Richtung Bermudas. Wir mussten Segel bergen, da die Hafeneinfahrt von St. George so knapp ist, dass wir das bei dem Wind (Stärke zw 7 und 8) bei Nacht nur schwer hätten stemmen können. Die Folge von Segelbergen bedeutete auch, dass es wieder viel mehr schaukelte. (Mir macht das ja eigentlich gar nix mehr aus, nur meine Fächer in der Kammer erwachen dann immer zum Leben und meinen sie müssten sich in der ganzen Kammer verteilen. Nein aufräumen bei Windstärke 8 macht nicht ganz so viel Spaß!) Doch dann kam alles anders: das Tief, das nördlich von uns lag, ist nach Süden gewandert, also zu uns. Das hatte zur Folge, dass wir in meiner Wache gegen 22:00 Uhr bei strömenden Regen eine Halse fahren mussten (also ganz grob: das Schiff „drehen“ mussten, damit wir wieder mit dem Wind segeln, aber immer noch in die richtige Richtung fahren). Zum ersten Mal auf der Reise stand ich bei einem Segelmanöver nicht an irgendwelchen Tampen um Segel zu bewegen, sondern am Ruder. Das war ganz schön aufregend! Detlef, unser Kapitän, stand neben mir und hat mir immer die „Befehle“ wie ich Ruder legen soll gegen den Wind zugeschrien und ich habe mich bemüht das Ganze möglichst genau umzusetzen. Leider drehte der Wind danach noch weiter und kam am Ende meiner Wache schon fast von Vorne. In der restlichen Nacht wurden dann alle Segel geborgen und leider der Motor wieder angeschmissen. Das Schiff schaukelte ohne Ende, Schlafen war eine Herausforderung. Auch noch am Morgen als ich wieder auf Wache kam hatte sich das Wetter noch nicht wirklich gebessert. So motorten wir gegen mindestens 8 Windstärken an, was zur Folge hatte, dass wir teilweise trotz voller Maschinenleistung 1 ½ Knoten rückwärtsfuhren … entlang an Bermudas. Doch irgendwann haben wir es dann doch geschafft, waren fast einmal um die Insel herum und konnten in das Hafenbecken einfahren und anlegen. Bermudas wirkt sehr nett und sieht genau so aus, wie man sich eine ehemalige englische Kolonie vorstellt. Mehr kann ich noch nicht sagen, wird sich zeigen.
Ansonsten gibt es nicht viel Neues von hier. Auf der einen Seite ist es unglaublich, dass bereits 4 Monate der Reise vorbei sein sollen, mir kommt es manchmal vor wie ein Wimpernschlag. Auf der anderen Seite freu ich mich schon wahnsinnig auf euch alle daheim und all das zu sehen und zu hören, was bei euch so passiert ist. Doch trotz alle dem macht das Segeln so ungemein viel Spaß, dass ich eigentlich nicht will, dass das enden wird. Jeden Tag schon beim Frühstück das Meer und den Horizont zu sehen ist einfach gigantisch und unglaublich schön!
So jetzt werde ich mich mal wieder in meine Unterrichtsvorbereitung für die nächsten Tage bzw Wochen stürzen.
Macht es alle gut daheim und esst bitte immer schön brav auf, damit es daheim schon ein bisschen wärmer ist, wenn ich wieder komme.
Drück euch alle tausendundeinmal
Kerstin
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